Osteoporose

Zuletzt aktualisiert: 18.06.2024 | Lesedauer: ca. 16 Min.

Eine Osteoporose ist eine Knochenerkrankung, die mit einer verminderten Knochendichte und einer Störung der Architektur des Knochens einhergeht. Es besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, Knochenbrüche zu entwickeln. Besonders gefährlich sind Brüche von Wirbelkörpern und des Oberschenkelhalses. Die frühe Diagnose ist wichtig, um Brüche zu verhindern. Eine umfassende Abklärung der Ursache der Osteoporose muss erfolgen.

Im folgenden Artikel finden Sie alle wichtigen Informationen Symptomen, Ursachen und Diagnose der Osteoporose sowie die akute Therapie und die Behandlung der Osteoporose in einer Reha
 

Was ist eine Osteoporose?

Es handelt sich um eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels. Knochen sind lebende Organsysteme, die einem ständigen Auf- und Abbau unterliegen. Die Regulation dieser Prozesse ist bei der Osteoporose gestört, die Knochenmasse nimmt ab. Dadurch steigt die Bruchneigung.

Welche Symptome zeigen sich bei Osteoporose?

Osteoporose-Symptome entwickeln sich langsam. Zu Beginn der Erkrankung treten meist keine Beschwerden auf. Erst im Verlauf, wenn erste Frakturen geschehen sind, klagen Patient:innen z.B. über Rückenschmerzen . Die Knochenmasse wird durch das Fortschreiten der Krankheit immer geringer, die Auswirkungen deutlicher.

Durch eine Osteoporose können Brüche der Wirbelkörper oder am Schenkelhals auftreten. Beides kann erhebliche Probleme verursachen. Wirbelkörperbrüche sind sehr schmerzhaft. Durch die Brüche kann ein ausgeprägter Rundrücken auftreten, der die gesamte Haltung des Körpers beeinträchtigt und zu Atemproblemen führen kann. Schenkelhalsbrüche müssen in den meisten Fällen operiert werden. Es ist sehr wichtig, dass die Patient:innen nach einem Schenkelhalsbruch frühzeitig mobilisiert werden, um eine dauerhafte Bettlägerigkeit zu vermeiden.

Eine Osteoporose ist eine generalisierte Knochenstoffwechselerkrankung, die alle Knochen des menschlichen Körpers befällt. Frakturen der Wirbelkörper und des Schenkelhalses haben besonders schwere Auswirkungen. Grundsätzlich können aber auch andere Frakturen, z. B. des Oberarms  oder der Rippen, auftreten.

Ursachen und Risikofaktoren

Im Rahmen einer osteologischen Untersuchung wird eine Vielzahl von Risikofaktoren erfragt. Das beinhaltet den Zeitpunkt der Wechseljahre, Medikamente (z.B. Kortison), Alkohol, Rauchen, Ernährungsgewohnheiten etc. Nur wenn diese Risikofaktoren lückenlos erfasst sind, kann die Therapieentscheidung gefällt werden.

Erkrankungen, die eine Osteoporose begünstigen, sind:

  • entzündliche Rheumaerkrankungen (z.B. Rheumatoide Arthritis, Ankylosierende Spondylitis, Psoriasis Arthritis, Sjögren Syndrom, Sarkoidose, Vaskulitis)
  • Bluterkrankungen (z.B. Leukämie, Lymphome)
  • Hormonerkrankungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Nebenschilddrüsenüberfunktion, Mangel an Geschlechtshormonen)
  • Nierenerkrankungen
  • Chronische Lungenerkrankungen (z.B. COPD)
  • Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa)
  • Nervenerkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Parkinson)

Eine Chemotherapie und Medikamente (wie z.B. Kortison oder Antihormonmedikamente bei Brustkrebs oder Prostatakrebs ) können ebenfalls zu einer Osteoporose führen.
 

Anatomisches Modell einer Osteoporose im Bereich des Schenkelhalses.

Unterschied zwischen einer primären und sekundären Osteoporose

Anhand der Ursachen unterscheidet man zwischen einer primären und einer sekundären Osteoporose.

  • primäre Osteoporose: Alter und Menopause ursächlich für die Erkrankung
  • sekundäre Osteoporose: eine der genannten Grunderkrankungen Auslöser der Osteoporose

Osteoporose als Folge verschiedener Erkrankungen

Osteoporose ist kein einheitliches Krankheitsbild, sondern kann Folge verschiedener Erkrankungen sein

  • Osteoporose bei entzündlichem Rheuma 
    Entzündliche Rheumaerkrankungen können eine Ursache einer Osteoporose sein. Durch die entzündungsaktiven Gewebshormone werden die knochenabbauenden Zellen stimuliert. Cortison, das häufig therapeutisch eingesetzt wird, führt zur Osteoporose. Immobilität durch schmerzende Gelenke verstärkt den Abbau der Knochen zusätzlich.
  • Osteoporose bei Bluterkrankungen
    Blutzellen werden im Knochenmark gebildet und interagieren mit der Knochensubstanz. Erkrankungen von Blutzellen können zur Osteoporose führen. Als Beispiele sind ein Plasmozytom/multiples Myelom (bösartige Entartung von Lymphzellen), eine indolente Mastozytose (gutartiges Wachstum von Allergiezellen) oder Leukämien zu nennen.
  • Osteoporose bei Hormonerkrankungen
    Eine Osteoporose ist eine Stoffwechselerkrankung des Knochens. Hormone regulieren den Knochenstoffwechsel. Eine Reihe von Hormonerkrankungen können zu einer Osteoporose führen. Die häufigste Ursache ist die Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose). Auch eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus) oder der Nebennierenrinde (Morbus Cushing) führen zu einer Osteoporose.
  • Osteoporose bei Nierenerkrankungen
    Eine Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) hat Auswirkungen auf den Stoffwechsel des Knochens. Die Ursache liegt in der regulatorischen Funktion der Niere in Bezug auf den Calcium- und Phosphatstoffwechsel. Geschädigte Nieren vermitteln Hormonausschüttungen, die die Knochenzusammensetzung beeinflussen (sekundärer Hyperparathyreoidismus). Außerdem führt das unzureichende Ausscheiden von Harnstoff zu Veränderungen des Knochens.
  • Osteoporose bei Magen-Darm-Erkrankungen
    Der Magen und die Magensäure sind wichtig für die ausreichende Aufnahme von Calcium und anderen Stoffen, die für den Knochen wichtig sind. Eine langjährige Einnahme von „Magenschutzpräparaten“ (Protonenpumpenhemmern) kann eine verminderte Aufnahme von Calcium bedingen. Der Zwölffingerdarm (Duodenum) ist für die Resorption von essentiellen Stoffen für den Aufbau des Knochens wichtig. Eine Erkrankung, wie z.B. die Zöliakie, kann diese Resorption negativ beeinflussen. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) beeinflussen die Qualität des Knochens durch die Störung der Resorption und durch die Entzündung.
  • Osteoporose bei Lungenerkrankungen
    Chronische Lungenerkrankungen (insbesondere die COPD/ Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) werden mit inhalativem Cortison behandelt. Außerdem stellt eine COPD eine chronische Entzündung dar, die den Knochenstoffwechsel negativ beeinflusst.
  • Osteoporose bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen
    Erkrankungen des Nervensystems (Morbus Parkinson, Multiple Sklerose) bewirken eine Schwächung der Muskulatur und eine Veränderung des Gangbildes. Dadurch sind Stürze wahrscheinlicher. Psychische Erkrankungen (Depression, Angsterkrankungen) führen dazu, dass Betroffene vielfach in den Aktivitäten eingeschränkt sind. Folgen sind Trainingsmangel oder Immobilität.
  • Osteoporose bei gynäkologischen Erkrankungen
    Die weiblichen Hormone (insbesondere Östrogen) regulieren den Knochenstoffwechsel. Daher ist in der osteologischen Visite immer die Frage nach dem Beginn der Menopause (= Ende der Regelblutung) von Bedeutung. Eine Frau, die früh in die die Menopause kommt, hat ein deutlich höheres Risiko für eine Osteoporose. Das gilt auch für Frauen mit Essstörungen (z.B. Anorexia nervosa), die durch das Untergewicht nur unregelmäßig ihre Regelblutung hatten. Chemotherapien und eine Antihormontherapie (Aromatasehemmer) beim Brustkrebs sind weitere Risikofaktoren.
  • Osteoporose durch Medikamente
    Unter allen Medikamenten ist Cortison das, bei welchem das höchste Risiko für die Entwicklung einer Osteoporose besteht. Diese gilt auch für inhalatives Cortison bei Lungenerkrankungen. Antihormontherapien beim Brustkrebs und beim Prostatakrebs stellen ebenfalls ein Risiko dar. Magenschutzpräparate (Protonenpumpenhemmer) sind dann ein Risikofaktor, wenn sie über viele Jahre eingenommen wurden.
  • Osteoporose durch Genetische Veränderungen
    Veränderungen in den Genen, die den Stoffwechsel des Knochens regulieren, können einen Risikofaktor für eine Osteoporose darstellen. Die Patient:innen werden daher immer befragt, ob in der Familie (Eltern, Geschwister…) eine Osteoporose oder typische Frakturen (z. B. Schenkelhalsfrakturen oder Wirbelkörperfrakturen) aufgetreten sind.

Wer ist von Osteoporose betroffen?

Hohes Alter ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für eine Osteoporose. Daher sind in vielen Fällen Frauen erst ab dem 60. Lebensjahr und Männer ab dem 70. Lebensjahr betroffen. Wenn die Osteoporose früher auftritt, muss besonders sorgsam nach einer Ursache gesucht werden.

Patient:innen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen (z.B. Rheumatoide Arthritis, Ankylosierende SpondylitisPsoriasisarthritisVaskulitisSarkoidos ) können durch die Entzündung selber und durch eine mögliche Kortisontherapie schon in mittlerem Alter eine Osteoporose entwickeln. Die intensive Behandlung der rheumatischen Grunderkrankung ist in diesen Fällen auch zur Verbesserung der Osteoporose von entscheidender Bedeutung.

Prognose

Die Prognose hängt stark vom Zeitpunkt der Diagnose ab. Je früher die Behandlung erfolgt, umso besser ist die Prognose. Es gilt, insbesondere Wirbelkörperfrakturen und Schenkelhalsfrakturen zu verhindern, da diese zu bleibenden Einschränkungen führen können.

Welche Ärzte sind spezialisiert auf Osteoporose?

Osteologen sind Ärzte, die auf die Behandlung von Knochenerkrankungen spezialisiert sind. Osteologen können Internisten (Rheumatologen oder Hormonspezialisten), Orthopäden oder Gynäkologen sein. In besonders spezialisierten Rehabilitationszentren (klinisch-osteologisches Zentrum DVO) arbeiten alle drei Berufsgruppen eng zusammen. Der Internist kennt sich besonders gut mit dem Stoffwechsel des Knochens aus.

Der Orthopäde hat sich auf das Zusammenspiel von Knochen und Muskeln und auf die Haltung der Wirbelsäule spezialisiert. Gynäkologen untersuchen die weiblichen Hormone, die den Knochen vor dem Abbau schützen.

Portrait von Dr. Martin Gehlen
Patient:innen, die sich wegen einer Osteoporose in einer Rehabilitation befinden, sollten darauf achten, in ein spezialisiertes Zentrum zu gehen, weil nur dort alle Aspekte dieser Erkrankung berücksichtigt werden.
Dr. Martin Gehlen

Diagnose von Osteoporose

Jede Osteoporose bedarf einer umfassenden Abklärung. Der Knochenspezialist (Osteologe) klärt ab, ob es andere Erkrankungen gibt, die zu der Osteoporose geführt haben.

Nur wenn alle möglichen Ursachen gründlich abgeklärt sind, kann eine gezielte Therapie erfolgen.

Alle Risikofaktoren, die eine Osteoporose auslösen können, werden durch einen strukturierten Fragebogen erfasst. Es gibt eine Reihe klinischer Tests (z. B. den „Timed-up and go Test“), mit denen geprüft werden kann, ob Patient:innen sturzgefährdet sind. Diese Untersuchung wird als Sturzassessment bezeichnet. Zur Diagnostik werden Laboruntersuchungen, eine Knochendichtemessung und Röntgenuntersuchungen eingesetzt.

Osteoporose Behandlung

Die Behandlung der Osteoporose ist immer ganzheitlich durchzuführen. Dabei beruht sie im Wesentlichen auf 2 Säulen: der medikamentösen Therapie und der Rehabilitation. Je nach Fraktur kann vorher eine operative Therapie indiziert sein.

Viele der Wirbelkörperfrakturen werden konservativ (ohne Operation) behandelt. Die medikamentöse Therapie führt dazu, dass der Knochen gehärtet wird und somit mehr Stabilität erhält. Ziel der Therapien in einer Rehabilitation sind die Reduktion von Schmerzen, Information über das Krankheitsbild, Optimierung der Ernährung und Verbesserung der Muskulatur.

Osteologische Verlaufskontrollen sind alle zwei Jahre indiziert. Unter einer ganzheitlichen Therapie sollen sich Knochendichte und Frakturwahrscheinlichkeit bessern.

Welche Medikamente werden bei der Osteoporose eingesetzt?

Die Auswahl der Medikamente hängt von der zugrundeliegenden Ursache der Osteoporose ab.

  • Patient:innen, die eine Osteoporose aufgrund einer Rheumaerkrankung entwickelt haben, benötigen als erstes eine gute Therapie ihrer Rheumaerkrankung.
  • Ist eine Hormonerkrankung Ursache der Osteoporose, sollte zunächst eine Therapie der Hormonerkrankung erfolgen.

Die Knochenspezialisten (Osteologen) können ausrechnen, wie wahrscheinlich Knochenbrüche in den nächsten Jahren sind. In Abhängigkeit davon werden zusätzlich Medikamente ausgewählt, die den Knochen festigen.

Wie wird Osteoporose in einer Rehabilitation therapiert?

Eine stationäre Rehabilitation ist bei allen Patient:innen mit Wirbelkörperfrakturen und Schenkelhalsfrakturen indiziert. Bei Patient:innen, die bisher keine Frakturen erlitten haben, ist eine Rehabilitation ein wichtiger Baustein, um zukünftige Frakturen zu verhindern. Die Begutachtung der Knochenqualität ist integraler Bestandteil jeder rheumatologischen Rehabilitation .

Reduktion von Stürzen

Stürze stellen bei Osteoporose ein Risiko für Knochenbrüche dar. Eine Reihe von Erkrankungen können für die Stürze verantwortlich sein. Es erfolgen eine gründliche Untersuchung der Sturzneigung und eine Abklärung der zugrundeliegenden Ursachen (strukturiertes Sturz-Assessment). Eine Schwäche der Oberschenkelmuskulatur, eine schwere Kniegelenkarthrose , Nervenerkrankungen, Kreislaufprobleme, nächtlicher Harndrang und einige Medikamente können Stürze begünstigen. Die Therapiepläne in der Rehabilitation orientieren sich an diesen Grunderkrankungen.

Reduktion von Schmerzen

Wirbelkörperbrüche führen zu starken Schmerzen. Die Schmerzen wiederum führen zur Immobilität und Schonhaltung. Eine adäquate Schmerzlinderung ist zwingend erforderlich, um Mobilität zu erhalten. Die richtige Auswahl der Medikamente ist nicht einfach, da einige Medikamente Stürze fördern können. Hilfreich sind in dieser schwierigen klinischen Situation oft ergänzende nicht-medikamentöse Ansätze. Eine aktivierende Wirbelsäulen-Orthese hilft beispielsweise, Schmerzen zu lindern und sorgt für einen Trainingseffekt der Wirbelsäulenmuskulatur. 

Förderung der Koordination

Unter Koordination versteht man das Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen. Dieses Zusammenspiel ist wichtig um das Gleichgewicht zu halten und so Stürze zu vermeiden. In vielen spezialisierten Rehabilitationskliniken werden Sturzprophylaxe-Übungen angeboten. Vibrationsplatten können unterstützend eingesetzt werden.

Information über die Erkrankung

Ein gut informierter Patient oder eine gut informierte Patientin kann besser mit einer komplexen Erkrankung umgehen als uninformierte Patient:innen. In Schulungen werden Ursachen der Osteoporose, medikamentöse Therapien, Bewegungstherapien und Ernährung besprochen.

Ernährung

Eine „knochengesunde Ernährung“ mit ausreichenden Mengen Calcium und Vitamin D ist Grundlage jeder Osteoporose-Therapie. Es bietet sich an, die Kenntnisse auch in Form von gemeinsamem Kochen in der „Lehrküche“ zu vermitteln. Das Lernen erfolgt dort beiläufig während des Kochens und macht viel Spaß.

Umgang mit der Erkrankung

Durch die Stärke der Schmerzen und die daraus folgenden körperlichen Einschränkungen wird die Erkrankung oft als sehr belastend erlebt. Im Rahmen von Gesprächsgruppen geht es um die Verbesserung des Umgangs mit Einschränkungen durch die Erkrankung.

Beruf

Die berufliche Situation ist ein zentrales Thema der Rehabilitation. Hierbei ist es wichtig darauf zu achten, dass übermäßige Hebebelastungen unterbleiben, da hierdurch Wirbelkörperbrüche begünstigt werden können.

Nachsorge/Selbsthilfe

Nur wenn Anwendungen nach der Rehabilitation weitergeführt werden, kann ein dauerhafter Rehabilitationserfolg sichergestellt werden. Bereits während der Rehabilitation werden die anschließenden Anwendungen geplant.

Wann haben Patienten mit Osteoporose Anspruch auf eine Reha?

Alle Patient:innen mit Frakturen im Rahmen einer Osteoporose sollten eine Rehabilitation erhalten. Das gilt in besonderem Maße für die beiden gefährlichsten Frakturtypen: Wirbelkörperfrakturen und Schenkelhalsfrakturen

Durch die gezielten Anwendungen in der Rehabilitation werden Folgefrakturen verhindert. Auch bei Patient:innen mit Osteoporose ohne Frakturen kann eine Rehabilitation sinnvoll sein, um von vornherein das Auftreten von Frakturen zu verhindern.

Vorbeugung einer Osteoporose

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Alle Patient:innen mit Frakturen im Rahmen einer Osteoporose sollten eine Rehabilitation erhalten. Das gilt in besonderem Maße für die beiden gefährlichsten Frakturtypen: Wirbelkörperfrakturen und Schenkelhalsfrakturen. Durch die gezielten Anwendungen in der Rehabilitation werden Folgefrakturen verhindert. Auch bei Patient:innen mit Osteoporose ohne Frakturen kann eine Rehabilitation sinnvoll sein, um von vornherein das Auftreten von Frakturen zu verhindern.

Fazit

Die Rehabilitation von Patienten mit Osteoporose sollte in spezialisierten Kliniken stattfinden, in denen Internisten/Rheumatologen, Orthopäden und Gynäkologen eng zusammenarbeiten. Solche Zentren werden durch die medizinischen Fachgesellschaften zertifiziert (Klinisch-osteologisches Schwerpunktzentrum DVO). Die Therapie der Osteoporose orientiert sich an der zugrundeliegenden Ursache und an funktionellen Einschränkungen, die gezielt in der Rehabilitation behandelt werden.

Häufig gestellte Fragen zu Osteoporose

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Osteoporose.

Was sind die ersten Anzeichen von Osteoporose?

Eine Osteoporose macht erst dann Beschwerden, wenn erste Frakturen aufgetreten sind. Das ist problematisch, weil somit viele Menschen gar nicht wissen, dass sie eine Osteoporose haben. Umso wichtiger ist es, dass bei Patient:innen mit erhöhtem Risiko (z.B. bei Rheumaerkrankungen) frühzeitig eine Abklärung erfolgt. In der rheumatologischen Rehabilitation sollte die Abklärung einer Osteoporose integraler Bestandteil der Abklärung sein.

Was hilft am besten gegen Osteoporose?

Entscheidend ist die Kombination aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen. Die beste nicht-medikamentöse Maßnahme ist die spezialisierte Rehabilitation. Dort wird die Muskulatur gekräftigt, die Koordination verbessert und eine gezielte Sturzprophylaxe durchgeführt. Im Rahmen von Seminaren erfolgen Informationen über die Erkrankung und die richtige Ernährung. Das gemeinsame Kochen in einer Lehrküche erweitert die Kenntnisse zur knochengesunden Ernährung.

Was kann man tun gegen Osteoporose?

Die wichtigste Maßnahme gegen eine Osteoporose ist, frühzeitig an die Möglichkeit einer Osteoporose zu denken und eine Abklärung zu veranlassen. Die entscheidenden Maßnahmen gegen eine Osteoporose sind Rehabilitation und eine gezielte medikamentöse Therapie.

Wie sind die Symptome bei Osteoporose?

Erste Symptome treten mit den Frakturen auf. Wirbelkörperfrakturen verursachen starke Rückenschmerzen und eine Verschlechterung der Haltung. Eine Schenkelhalsfraktur kann Ursache einer langfristigen Immobilität sein.

Was sollte man bei Osteoporose nicht tun?

Es muss verhindert werden, dass neue Frakturen auftreten. Daher müssen Stürze unterbleiben. Dieses gelingt durch ein spezifisches Sturzprophylaxe-Training. Menschen, die noch im Berufsleben stehen, werden zu den spezifischen Risiken ihres Berufes beraten. Vorsicht ist geboten bei allen Tätigkeiten, die mit dem Steigen von Leitern oder Gerüsten verbunden sind und bei denen schwer gehoben werden muss. Die berufliche Risikobewertung ist eine zentrale Aufgabe der Rehabilitation.

Kann man die Knochendichte wieder verbessern?

Die Knochendichte kann durch eine spezifische medikamentöse Therapie der Osteoporose verbessert werden. Zusätzlich muss aber auch eine Kräftigung der Muskulatur erfolgen, weil diese dem Knochen weitere Stabilität gibt.

Quellen

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Portrait von Dr. Martin Gehlen
Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, allgemeine Innere Medizin

Chefarzt Rheumatologie und Osteologie