Brustkrebs

Portrait von Gina-Sophie Labahn.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
DAS REHAPORTAL (4QD-Qualitätskliniken.de GmbH)

Zuletzt aktualisiert: 29.05.2024 | Lesedauer: ca. 18 Min.

Bei Brustkrebs handelt es sich in Deutschland um die häufigste Krebserkrankung, von der Frauen betroffen sind. Etwa 70.000 Frauen erkranken hierzulande jährlich an einem sogenannten Mammakarzinom. 1 % aller Betroffenen sind Männer. Für die Früherkennung von Brustkrebs sind vor allem Früherkennungsuntersuchungen sehr wichtig. Auch wenn die Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind, gehören z. B. Übergewicht und Rauchen zu den Risikofaktoren. Zu Beginn einer Brustkrebserkrankung treten keine Symptome auf, erst im Verlauf lassen sich Knoten ertasten und es kommt zu Gewichtsverlust. Eine operative Entfernung des Tumors ist die Standardtherapieform. Oft ist eine Strahlentherapie und/oder Chemotherapie im Anschluss an die Operation notwendig. Nach der Behandlung im Krankenhaus kann eine Reha den Gesundheitszustand der Patient:innen stabilisieren und bei der Rückkehr in den Alltag unterstützen.

Was ist Brustkrebs?

Bei Brustkrebs handelt es sich um einen bösartigen Tumor in der Brustdrüse, der vor allem Frauen, in ca. einem Prozent der Fälle aber auch Männer betreffen kann. Tumoren entstehen durch Mutationen des Erbguts, die dafür sorgen, dass Zellen mehr wachsen und sich teilen, als sie eigentlich sollten. Auch der programmierte Zelltod, der normalerweise dafür sorgt, dass mutierte Zellen absterben, setzt nicht mehr ein. Im Bereich der Brust handelt es sich meistens um das Gewebe der Milchgänge oder Milchdrüsen, in denen Tumoren entstehen, unkontrolliert wachsen und dadurch umliegendes Gewebe zerstören können.

Verbreitung in Deutschland und international

Weltweit stellt Brustkrebs mit einem Anteil von 11,6 Prozent aller Krebserkrankungen die zweithäufigste Krebsart beider Geschlechter dar. Bei den Frauen ist Brustkrebs mit 24,2 Prozent weltweit der häufigste Krebs. In Europa und Amerika ist diese Erkrankung verbreiteter als auf anderen Kontinenten. In Deutschland erkrankt etwa eine von acht Frauen in ihrem Leben einmal an Brustkrebs. Bei Männern trifft es im Laufe des Lebens nur einen von 8000.

Was sind die Ursachen für Brustkrebs?

Die Ursachen für das Auftreten eines Mammakarzinoms konnten bisher nicht vollständig geklärt werden. So tritt der Krebs bei der Mehrzahl der Betroffenen spontan auf, also ohne dass Mediziner und Medizinerinnen eine eindeutige Ursache hierfür finden können. Davon unabhängig gibt es jedoch einige Risikofaktoren, die das Auftreten von Brustkrebs begünstigen können, wie beispielsweise:

  • fortgeschrittenes Alter
  • Bewegungsmangel
  • Übergewicht
  • Diabetes Typ II
  • regelmäßiger Konsum größerer Mengen an Alkohol
  • Rauchen
  • Ungesunde Ernährung, insbesondere mit hohem Anteil an tierischen Fetten
  • Bestrahlung des Brustkorbes in der Kindheit
  • Genetische Dispositionen

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle sind erblich bedingt. Besonders Mutationen der Gene BCRA1 und BCRA2 erhöhen das Risiko an Brustkrebs zu erkranken deutlich. Die BRCA-Gene gehören eigentlich zu den Tumorsuppressorgenen, also zu jenen Genen deren Aufgabe eigentlich der Schutz vor Krebsentstehung ist. Ist das Gen defekt, kann es diese Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen. Wenn in einer Familie gehäuft Brust- oder Eierstockkrebserkrankungen auftreten, sollte ein Gentest in Erwägung gezogen werden, der die Mutationen nachweisen kann. Wenn die Mutation bei einer Patientin oder einem Patienten nachgewiesen wird, können die Maßnahmen zur Früherkennung und Vorsorge deutlich engmaschiger zu gestalten und einen möglichen Tumor somit rechtzeitig behandeln zu können.

Die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron können die Entstehung und Vermehrung von Krebszellen fördern. Insbesondere bei einer erhöhten Zufuhr dieser Hormone wie beispielsweise im Rahmen einer Hormonersatztherapie steigt das Brustkrebsrisiko deshalb an. Werden die Hormone abgesetzt, sinkt das Risiko innerhalb weniger Jahre wieder.

Auch der Zeitpunkt der ersten und letzten Periode kann Hinweise auf das Erkrankungsrisiko geben. So haben Frauen, die ihre erste Menstruation vor dem 12. Lebensjahr bekommen und Frauen, deren Wechseljahre erst spät einsetzen, statistisch gesehen ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Außerdem können Frauen, die mindestens sechs Monate lang stillen, ihr Brustkrebsrisiko deutlich senken.

Es kursieren viele Mythen in Bezug auf die Entstehung von Brustkrebs. Bügel-BH’s, Smartphones oder Schwangerschaftsabbrüche stehen dabei oft in Verdacht, Krebs auszulösen. Diese Theorien konnten aber bereits wissenschaftlich widerlegt werden.

Was sind die Symptome für Brustkrebs?

Im Anfangsstadium von Brustkrebs merkt die Patientin oder der Patient in der Regel keinerlei Symptome, insbesondere keine Schmerzen, weshalb Untersuchungen zur Früherkennung besonders wichtig sind. Es existieren jedoch verschiedene Anzeichen, die auf Brustkrebs hindeuten können. Hierzu zählen unter anderem:

  • Verhärtungen oder Knoten in der Brust, die früher nicht ertastet werden konnten
  • ein Größenunterschied der Brüste, der zuvor nicht bestanden hat
  • wässrige, blutige oder eitrige Absonderungen aus einer Brustwarze
  • tastbare Lymphknoten innerhalb der Achselhöhle, die nicht durch andere Erkrankungen bedingt sind und vorher nicht bestanden haben
  • unterschiedliches Aussehen der Brüste beim Anheben der Arme
  • andere Beschwerden im Bereich der Brüste und Brustwarzen, etwa eine auffällige Rötung oder Schmerzen

Diese Symptome müssen jedoch nicht zwingend bedeuten, dass die Erkrankung Brustkrebs vorliegt. Sollte die Patientin oder der Patient diese Symptome bei sich beobachten, ist jedoch eine ärztliche Untersuchung dringend zu empfehlen.

Sollte das Mammakarzinom bereits ein fortgeschrittenes Stadium erreicht haben, können durch den Brustkrebs weitere Symptome auftreten wie etwa:

  • ungewollter Gewichtsverlust
  • große Abgeschlagenheit und häufige Müdigkeit
  • allgemeine Schmerzen, beispielsweise in Form von Gliederschmerzen oder Rückenschmerzen (aufgrund von Metastasen in den Knochen)
  • Flüssigkeitsansammlung in den Armen
Schematische Darstellung der weiblichen Brust mit einem Mammakarzinom.

Brustkrebs bei Männern

In Deutschland erkranken jährlich rund 700 Männer an Brustkrebs, was ein Prozent aller Neuerkrankungen ausmacht. In vielen Fällen kann ein erhöhter Östrogenspiegel das Risiko für die Erkrankung bei Männern steigern. Starkes Übergewicht, Lebererkrankungen oder die Einnahme von Hormonen können Ursachen dafür sein.

Die Symptome unterscheiden sich bei Männern und Frauen nicht. Auch die Diagnostik ist vergleichbar, allerdings muss beachtet werden, dass Mammografie und Ultraschalluntersuchungen bei Männern weniger aussagekräftig sind, da ihr Brustgewebe dichter ist als das von Frauen. Bei Männern spielt die Gewebeentnahme (Biopsie) mit anschließender feingeweblicher Untersuchung eine entscheidende Rolle zur Feststellung von Brustkrebs.

Da das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, für Männer deutlich geringer ist und deshalb weniger Maßnahmen zur Früherkennung stattfinden, werden die Tumore häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt.

Wie erfolgt die Diagnose von Brustkrebs?

Je früher die Diagnose von Brustkrebs stattfindet, desto höher sind die Chancen auf einen Behandlungserfolg. Besteht der Verdacht auf ein Mammakarzinom, ist es daher dringend angeraten, dies ärztlich abklären zu lassen. Der Arzt oder die Ärztin wird zunächst nach der Krankengeschichte fragen und im Anschluss mit der körperlichen Untersuchung beginnen. Hierbei werden beide Brüste sowie die Lymphknoten der Schlüsselbeingruben und der Achselhöhlen genau abgetastet.

Erhärtet sich der Verdacht auf ein Mammakarzinom, wird bei Patienten und Patientinnen ab 40 Jahren zunächst eine Mammografie durchgeführt. Hierbei handelt es sich um eine Röntgenuntersuchung der Brust. Bei unklaren Befunden kann der Arzt oder die Ärztin zusätzlich eine Ultraschalluntersuchung der Brust anordnen. Eine solche Mammosonographie ist bei Patienten und Patientinnen unter 40 Jahren übrigens oftmals die erste Untersuchungsoption bei Verdacht auf Brustkrebs.

Im Rahmen einer Mammografie lassen sich bösartige und gutartige Veränderungen weitgehend abgrenzen. Durch eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung lässt sich die Sicherheit der Diagnose erhöhen. Bei einem entsprechenden Verdacht führt der Arzt oder die Ärztin eine Biopsie durch, d. h. es wird eine Gewebeprobe entnommen. Wenn das entnommene Gewebe im Labor untersucht wurde, kann der Arzt oder die Ärztin endgültig feststellen, ob die Veränderungen gut- oder bösartiger Natur sind.

Bei unsicheren Diagnosen, bei Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe, bei unklarer Ausbreitung des Tumors oder zur genauen Lagebestimmung kommt häufig die Magnetresonanztomografie (MRT) als zusätzliches bildgebendes Verfahren zum Einsatz. Mediziner:innen sprechen dann häufig von einem Mamma-MRT.

Klassifikation von Brustkrebs

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Je nach Art der Zellen, Stadium und Differenzierungsgrad lässt sich der Tumor anhand verschiedener Klassifikationssysteme einordnen.

Am häufigsten treten Brustkarzinome auf, die die Milchgänge betreffen (duktale Karzinome). Seltener sind Tumore, die aus den Zellen der Milchdrüsen entstehen (lobuläre Karzinome) sowie einige andere Varianten, die vereinzelt auftreten. Um die Größe und Ausdehnung eines Tumors zu beschreiben, wird er anhand des TNM-Systems klassifiziert. Es beinhaltet folgende Informationen:

Größe des Tumors (T): T1 bis T4 beschreibt die Größe des Tumors. Bei der Angabe T1 ist der Tumor maximal zwei Zentimenter groß, bei der Angabe T4 ist der Tumor bereits in die Brustwand oder Haut eingewachsen. Unter der Bezeichnung Tis versteht man einen “Tumor in situ“, also Vorstufen eines Tumors, die noch nicht in das umliegende Gewebe eingedrungen sind. TX steht dafür, dass die Ausbreitung des Tumors nicht beurteilbar ist.

Anzahl der befallenen Lymphknoten (N): Brustkrebs streut häufig zuerst in die umliegenden Lymphbahnen und Lymphknoten. Die Angaben können von N0 bis N3 reichen. N0 sagt aus, dass kein Befall der Lymphknoten nachweisbar ist. Die Angaben N1 bis N3 bezeichnen einen zunehmenden Befall der Lymphknoten in Tumornähe.

Vorhandensein von Metastasen (M): Wenn Metastasen in anderen Organen festgestellt werden, kann dies als M1 vermerkt werden. Die Angabe M0 hingegen sagt aus, dass keine Metastasen vorhanden sind.

Eine weitere Möglichkeit, den Tumor zu klassifizieren, bietet das sogenannte Grading. Dabei überprüft ein Pathologe oder eine Pathologin die Tumorzellen darauf, wie stark sie sich in Aussehen und Wachstumsverhalten von gesunden Zellen unterscheiden. Es gibt drei Grading-Stufen von G1 bis G3. Bei G1 ähneln die Tumorzellen den gesunden Zellen noch weitgehend und vermehren sich nur langsam. Bei G3 weichen die Zellen stark vom Ursprungsgewebe ab und teilen sich schnell. Je höher das Grading, desto aggressiver wächst der Tumor.

Bevor Brustkrebs entsteht, lassen sich häufig bereits Vorstufen erkennen. Es handelt sich dabei um verschiedene Zellveränderungen. Nicht jede Veränderung muss allerdings eine Vorstufe von Brustkrebs (Präkanzerose) sein und so unterscheiden sich verschiedene Vorstufen, die jeweils unterschiedliche Entartungsrisiken mit sich bringen. Ob und wie beim Vorliegen einer Brustkrebs-Vorstufe behandelt werden muss, legt ein interdisziplinäres Team je nach individuellem Einzelfall fest.

Prognosen bei Brustkrebs

Die Prognose einer Brustkrebserkrankung ist im Vergleich zu vielen anderen Krebsarten relativ gut. Die Krankheit lässt sich häufig heilen und obwohl aufgrund der steigenden Lebenserwartung immer mehr Frauen an Brustkrebs erkranken, sinkt die Sterberate. Fünf Jahre nach der Diagnose leben noch 87 % der Patienten und Patientinnen.

Besonders günstig ist die Prognose dann, wenn der Tumor in einem frühen Stadium erkannt wird und sich noch keine Metastasen gebildet haben. Wenn Tumorzellen bereits als Metastasen in andere Körperbereiche gestreut haben, ist eine vollständige Heilung deutlich erschwert. Je früher die Therapie begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen. Andere Faktoren, die die Prognose bei einer Brustkrebserkrankung beeinflussen, sind das Alter der betroffenen Person, die Art des Karzinoms und ob Frauen bereits in den Wechseljahren sind.

Wie sieht die Therapie bei Brustkrebs aus?

Der Arzt oder die Ärztin wird die Therapie bei einem Mammakarzinom individuell auf den Patienten bzw. die Patientin sowie den Fortschritt der Krebserkrankung ausrichten. So ist die Art der Behandlung unter anderem ebenso von der Größe des Tumors abhängig wie von der Tatsache, ob der Krebs bereits Metastasen gebildet hat.

In den meisten Fällen ist eine operative Entfernung des Tumorgewebes der wichtigste Teil der Therapie. Anschließend an eine Operation kann dann eine Strahlentherapie oder Chemotherapie erfolgen.

Operation

Heutzutage ist es Chirurgen aufgrund des Einsatzes einer Chemotherapie und/oder einer Strahlentherapie möglich, eine brusterhaltende Operation durchzuführen, sofern sich der Krebs in einem frühen Stadium befindet. Im Gegensatz zu einer kompletten Brustentfernung (Mastektomie) mit Entfernung der Lymphknoten aus der gleichseitigen Achselhöhle - in der Medizin auch Radikaloperation genannt - ist das Risiko einer erneuten Tumorbildung nach einer brusterhaltenden Behandlung erhöht. Durch eine nachfolgende Bestrahlung des übrigen Brustgewebes lässt sich dieses Risiko jedoch wieder deutlich reduzieren. Aus diesem Grund wird im Anschluss an eine brusterhaltende Operation in aller Regel eine Bestrahlung angeschlossen.

Wenn die betroffene Frau nach einer Mastektomie einen Wiederaufbau der Brust wünscht, kann dies häufig in derselben Operation wie die Brustamputation erfolgen. Es besteht die Möglichkeit, Silikonimplantate für die Rekonstruktion zu verwenden oder auf körpereigenes Gewebe beispielsweise vom Unterbauch zurückzugreifen. Die kosmetischen Ergebnisse können bei beiden Formen der Rekonstruktion sehr gut sein. Der betreuende Arzt oder die betreuende Ärztin kann bei Fragen zum Wiederaufbau der Brust konsultiert werden. Es gibt außerdem einige Spezialisten und Spezialistinnen für plastische Wiederherstellungen der Brust, die schon vor dem Eingriff umfassend beraten können.

An die Operation anschließende Therapien

Therapien, die nach der eigentlichen Behandlung - im Normalfall also nach einer Operation - durchgeführt werden, werden als adjuvante Therapien bezeichnet. Diese Anschluss-Therapien verfolgen das Ziel, Krebszellen, die unter Umständen im Körper verblieben sind, zu vernichten, um ein erneutes Auftreten von Brustkrebs zu verhindern.

Die adjuvante medikamentöse Therapie kann aus einer Chemotherapie oder einer Antihormontherapie bestehen. Möglich ist auch eine Kombination aus beiden Verfahren. Es ist unter anderem von der Art und der Größe des Tumors abhängig, welche Anschlusstherapie für die Person die geeignetste ist.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist in der Regel ein zentraler Bestandteil bei der Behandlung von Brustkrebs. Sie ist als adjuvante Therapie nach einer brusterhaltenden Operation ebenso sinnvoll wie für den ungeklärten Fall, ob noch Tumorreste in der Brust vorhanden sind. Ziel der Strahlentherapie ist es, nach der Operation verbliebene Krebszellen abzutöten und hierdurch ein Wiederauftreten des Brustkrebses zu verhindern.

Chemotherapie

Zum Einsatz bei einer Chemotherapie kommen sogenannte Zytostatika. Hierbei handelt es sich um Wirkstoffe, die das Wachsen von Krebszellen hemmen. Die Medikamente werden dem Patienten oder der Patientin abhängig vom jeweiligen Wirkstoff, entweder als Infusion oder in Tablettenform verabreicht.
Allerdings haben Chemotherapeutika auch für gesunde Zellen negative Auswirkungen. Dies betrifft vor allem das Knochenmark, die Haut, die Haarwurzeln und die Magen- und Darmschleimhaut. Aus diesem Grund sind Haarausfall und häufige Übelkeit zwei der häufigsten Nebenwirkungen, die bei einer Chemotherapie auftreten können.

Antihormontherapie

Die Mehrzahl der Brustkrebstumoren ist hormonabhängig. Dies bedeutet, dass bestimmte körpereigene Hormone das Wachstum der Krebszellen anregen. Besonders krebsfördernde Eigenschaften hat hierbei das weibliche Sexualhormon Östrogen. Für die Medizin bedeutet dies umgekehrt, dass sich das Wachstum von Tumoren mithilfe von Substanzen, welche die Wirkung der Hormone unterbinden, reduzieren lässt. Sofern die Patientin oder der Patient eine Chemotherapie erhält, sollte mit der Antihormontherapie erst begonnen werden, wenn die Behandlung mit Chemotherapeutika abgeschlossen ist.

Antikörpertherapie

Bei einer Immuntherapie werden künstlich hergestellte Abwehrstoffe des Immunsystems verwendet, um damit Krebszellen zu zerstören.

Molekularbiologische Therapie

Eine relativ neuer Behandlungsansatz ist die molekularbiologische Methode, der auch als zielgerichtete Therapie (eng. „Targeted Therapy“) bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um ein Verfahren bei dem spezifische Antikörper oder kleine Moleküle verabreicht werden, die bestimmte Botenstoffe oder Bindestellen der Tumorzellen blockieren und das Wachstum dadurch stoppen können. Das Besondere dabei ist, das die Medikamente zielgerichtete die Krebszellen angreift und den Gesamtorganismus dadurch weniger belastet.

Vorsorge und Prävention

Da eine möglichst frühzeitige Behandlung die Heilungschancen von Brustkrebs deutlich verbessert, sollten besonders Frauen regelmäßige Möglichkeiten zur Früherkennung nutzen. Ab dem 30. Lebensjahr stehen diese Untersuchungen jeder Frau einmal jährlich kostenlos zu. Ergänzend hierzu ist es jedoch ratsam, die Brust einmal pro Monat selbst abzutasten, da etwa 80 von 100 Patientinnen ihren Tumor selbst beim Abtasten entdecken.

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre zur Mammografie in ein spezialisiertes Untersuchungszentrum eingeladen. Bei erhöhtem Risiko durch erbliche Vorbelastung (gehäuftes Auftreten von Brust- oder Eierstockkrebs-Erkrankungen in der Familie) werden intensivierte Untersuchungen zur Früherkennung empfohlen.

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Die Wissenschaft geht davon aus, dass sich 25 Prozent aller Brustkrebserkrankungen verhindern lassen, wenn Risikofaktoren minimiert werden. Es ist deshalb empfehlenswert, auf eine möglichst gesunde Lebensführung mit ausreichend Bewegung und gesunder Ernährung zu achten.

Selbstuntersuchung der Brust

Neben den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen sollte außerdem eine Selbstuntersuchung der Brust erfolgen. Dabei können Veränderungen gegebenenfalls frühzeitig ertastet werden. Da kleine Tumoren hierbei aber häufig nicht zu bemerken sind, sollten die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen mit Mammografie und Brustultraschall zusätzlich in Anspruch genommen werden.

Eine Anleitung zur Selbstuntersuchung gibt es in diesem Video:

Reha-Maßnahmen nach einer Brustkrebsoperation

Die Genesungszeit nach einer Brustkrebsoperation und der anschließenden Behandlung ist von Person zu Person unterschiedlich. Durch einen stationären Aufenthalt in einer Reha-Klinik oder eine Anschlussheilbehandlung (AHB ) können Patienten und Patientinnen bei ihrer Rückkehr in den Alltag unterstützt werden. Die Anschlussheilbehandlung muss spätestens 35 Tage nach Beendigung der Akutbehandlung angetreten werden, während die stationäre onkologische Reha auch bis zu einem Jahr nach der Behandlung begonnen werden kann. Beide Rehamaßnahmen dauern in der Regel drei Wochen, können bei medizinischer Notwendigkeit aber auch verlängert werden.

Während der Behandlung in der Klinik geht es darum, wieder zu Kraft zu kommen, Hilfestellungen und Beratungen für das Leben nach dem Krebs zu erhalten und Risikofaktoren für Rezidive zu minimieren. Nach einer Brustkrebsbehandlung können verschiedene medizinische Probleme wie Erschöpfungsgefühle, Mobilitätsstörungen, Schmerzen oder psychische Belastungen auftreten. In vielen Rehakliniken sind spezialisierte Therapeut:innen und Mediziner:innen vor Ort, um diese Beschwerden zu lindern. Das interdisziplinäre Team der Reha-Klinik stimmt und Behandlungen individuell auf die Bedürfnisse der Patienten und Patientinnen ab.

Neben einer engmaschigen ärztlichen und pflegerischen Betreuung gibt es häufig Angebote wie Ernährungsberatung und Bewegungstherapien. Krankengymnastische Übungen sollen dabei helfen, Bewegungsfreiheit und Kraft in der Schulter und dem Arm der betroffenen Seite nach der Brustkrebs-Behandlung wiederherzustellen. Zudem können hierdurch Rücken- und Nackenbeschwerden vermieden werden. Auch psychologische Beratungen , Therapien und Entspannungsübungen können zum Einsatz kommen, um die Krankheitsverarbeitung zu unterstützen.

Wurden Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt, kann es zu einer Anschwellung des Arms auf der operierten Seite kommen, da die Flüssigkeit aus dem Lymphsystem nicht mehr richtig abfließen kann. In diesem Fall kann eine Lymphdrainage dafür sorgen, dass die Lymphflüssigkeit erneut abfließen und der Arm wieder frei bewegt werden kann.

Wenn es um Fragen zu das Themen soziale und berufliche Rehabilitation geht, sind Krankenkassen und psychosoziale Beratungsstellen die richtigen Ansprechpartner.

Die Kosten einer Reha werden bei gesetzlich versicherten Personen von der gesetzlichen Krankenkasse oder der Rentenversicherung getragen. In der Regel müssen die Patient:innen allerdings eine Zuzahlung von 10 Euro täglich entrichten, die nur in Ausnahmefällen erlassen werden kann. Privat versicherte Patient:innen müssen die Kostenübernahme mit ihrer Versicherung prüfen.

Nachsorge bei Brustkrebs

Da es bei Patienten und Patientinnen auch 10 oder 20 Jahre nach einer Brustkrebserkrankung mit erfolgreicher Behandlung noch zu Rezidiven kommen kann, sollten regelmäßige Kontrolltermine zur Früherkennung eingehalten werden.

Vom ersten bis zum dritten Jahr nach der Erkrankung empfiehlt die Deutsche Krebsgesellschaft für Frauen vierteljährliche körperliche Untersuchungen, nach einer Brusterhaltung alle 12 Monate eine beidseitige Mammografie und einen Brustultraschall sowie gegebenenfalls weitere Bildgebungen. Ab dem vierten Jahr nach der Erkrankung finden die körperlichen Untersuchungen nur noch halbjährlich statt. Ab dem sechsten Jahr besteht die Nachsorge in der Regel nur noch aus jährlichen Terminen für Mammografie und Brustultraschall. In besonderen Situationen und bei Symptomen sollten allerdings häufiger Untersuchungen durchgeführt werden.

Fazit

Die Diagnose Brustkrebs ist für viele Betroffene im ersten Moment ein Schock. Durch Angebote zur Früherkennung und eine individuell angepasste Therapie ist die Krankheit heute gut zu behandeln. Während einer stationären Reha im Anschluss an die Akutbehandlung bekommen Betroffene vielfältige Hilfestellungen für das Leben nach dem Krebs und können sich in Ruhe auf die Genesung konzentrieren. Ansprechpartner für alle Fragen rund um das Thema Brustkrebs sind Hausärzte und -ärztinnen sowie Gynäkologen und Gynäkologinnen.