Der Übergang von der medizinischen zur beruflichen Rehabilitation ist für Betroffene häufig mit Informationslücken und unklaren Zuständigkeiten verbunden. Eine aktuelle Studie, die von der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg gefördert und am 5. August 2026 in der Fachzeitschrift Frontiers in Rehabilitation Sciences veröffentlicht wurde, zeigt: Viele entschieden sich selbst für eine berufliche Reha, erhielten auf dem Weg dorthin aber zu wenig praktische Unterstützung.
Für die Studie wurden 61 Personen befragt, die nach einer medizinischen Rehabilitation an einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme teilnahmen. Sieben von ihnen berichteten zusätzlich in Interviews ausführlicher über ihre Erfahrungen.
Ungefähr die Hälfte der Befragten gab an, bereits während der medizinischen Rehabilitation über Möglichkeiten der beruflichen Reha informiert worden zu sein. Konkrete Unterstützung, beispielsweise beim Ausfüllen und Einreichen eines Antrags, erhielten jedoch deutlich weniger.
Zwischen Antrag und Beginn der beruflichen Rehabilitation lagen bei den Befragten durchschnittlich elf Monate. Die Wartezeiten unterschieden sich allerdings stark: Sie reichten von weniger als einem Monat bis zu mehreren Jahren.
Die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) ist ein Behandlungskonzept innerhalb der medizinischen Rehabilitation. Sie richtet sich an Menschen, deren Erwerbsfähigkeit aufgrund besonderer beruflicher Belastungen oder gesundheitlicher Einschränkungen gefährdet ist. Medizinische und therapeutische Leistungen werden dabei gezielt an den Anforderungen des Arbeitsplatzes ausgerichtet.
Mehr über Ziele und Ablauf erfahren Sie in unserem Ratgeber zur medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation.
Die berufliche Rehabilitation umfasst dagegen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, kurz LTA. Sie soll einen vorhandenen Arbeitsplatz erhalten oder neue berufliche Perspektiven ermöglichen. Dazu gehören beispielsweise:
Berufliche Rehabilitationsleistungen können sich an eine medizinische Reha anschließen, sind aber eine eigenständige Leistungsform. Weitere Informationen bietet unser Ratgeber „Reha vor Rente “.
In den Interviews beschrieben Betroffene, dass sie sich häufig selbst zwischen Rentenversicherung, Krankenkasse, Arbeitsagentur und weiteren Stellen orientieren mussten. Nach Einschätzung der Forschenden ist die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure bisher nicht ausreichend, um einen kontinuierlichen Übergang sicherzustellen.
Als mögliche Verbesserungen nennt das Forschungsteam eine intensivere Beratung, konkrete Unterstützung beim Antrag und eine bessere Abstimmung zwischen Rehakliniken, Ärzt:innen, Arbeitgebern und Leistungsträgern. Auch Erwartungen und Wünsche der Betroffenen sollten frühzeitig besprochen werden.
Die Untersuchung wurde als explorative Studie in Berlin und Brandenburg durchgeführt. Befragt wurden ausschließlich Personen, die den Übergang in eine berufliche Rehabilitationsmaßnahme bereits geschafft hatten. Menschen mit abgelehnten Anträgen oder abgebrochenen Übergängen wurden nicht erfasst.
Aufgrund der kleinen und nicht zufällig ausgewählten Stichprobe lassen sich die Ergebnisse nicht auf alle Rehabilitand:innen in Deutschland übertragen. Sie zeigen jedoch, an welchen Stellen Betroffene Informations- und Unterstützungsbedarf erleben.