Reha-Kolloquium 2024 in Bremen - Ein Rückblick 26.03.2024

Portrait von Annabelle Neudam

Geschäftsführerin
DAS REHAPORTAL (4QD-Qualitätskliniken.de GmbH)

Zuletzt aktualisiert: 19.06.2024 | Lesedauer: ca. 5 Min.

Vom 18. bis 20. März 2024 fand das 33. Reha-Kolloquium in der Messe Bremen statt. Das Kongressmotto „Nachhaltigkeit und Teilhabe: ökologisch - ökonomisch - sozial“ lockte etwa 1.600 Teilnehmende und mehr als 100 Referent:innen aus Forschung, Praxis und Politik zum größten rehabilitationswissenschaftlichen Kongress der Branche.

Das Team des REHAPORTALS war mit einem Ausstellungsstand vor Ort und konnte zahlreiche Gespräche mit interessierten Kliniken, langjährigen Mitgliedern und geschätzten Kooperationspartnern führen.

Neben vielen weiteren Themen spielt die Outcome-Messung mit PROMs und damit die Fokussierung auf Ergebnisqualität eine zunehmende Rolle im Kongressprogramm. Im Vortrag Messung der Ergebnisqualität in der neurologischen Rehabilitation mittels PROMIS-10 - Ergebnisse aus einem Pilotprojekt mit 17 Kliniken“ stellte Volker Beierlein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Psychosoziale Medizin / Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie des UKE die Ergebnisse einer Pilotstudie des REHAPORTALS vor. Im Rahmen der Session gab es wertvolle Nachfragen in Bezug auf die Effekte der Reha bei Schlaganfall und den Einfluss der Messzeitpunkte auf die Ergebnisse.

Gina-Sophie Labahn, Alexander Mühlhause und Annabelle Neudam am Messestand des REHAPORTALS

Die Veranstaltung zur qualitätsorientierten Einrichtungsauswahl der Deutschen Rentenversicherung bot einen Einblick in die Erfahrungen und Perspektiven nach der Umsetzung des neuen Verfahrens seit Mitte 2023.

  • Frau Dr. Susanne Weinbrenner von der DRV Bund und Elisabeth Berchtold von Berchtold Consulting moderierten die Diskussion.
  • Thorsten Siebert präsentierte die Sicht des Grundsatz- und Querschnittsbereiches, während Dr. Marion Kalwa den aktuellen Stand der Einrichtungsauswahl seitens der DRV Bund darlegte.
  • Dr. Ursula Becker berichtete über die Erfahrungen der Klinikgruppe.
  • Esther Wagner teilte Erfahrungen aus der Rheumaklinik Bad Wildungen der DRV Oldenburg-Bremen.

Diskutiert wurden dabei die bisherigen Erfahrungen, Chancen und Risiken der qualitätsorientierten Einrichtungsauswahl sowie die Wahrnehmung des Wunsch- und Wahlrechts der Versicherten. Dabei wurden stetig steigende Zahlung zur Ausübung des Wunsch- und Wahlrechts von Patient:innen deutlich. Ein Hauptkritikpunkt seitens der Rehakliniken stellt die mangelnde Aktualität der Qualitätsergebnisse dar.

Im Diskussionsforum: „Patient*innensicherheit in der Rehabilitation: (K)ein Thema?“ wurde klar, dass Rehakliniken in Bezug auf Risikomanagement bereits eine Menge tun, diese Aktivitäten aber kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Transparenz und Anreize könnten hier helfen. Im REHAPORTAL ist das Thema Patientensicherheit von Beginn an eine von vier gleichgewichteten Qualitätsdimensionen und trägt maßgeblich zur Gesamtbewertung der Einrichtungen bei. Unter reger Beteiligung des Auditoriums diskutierten

  • Dr. Christian Deindl (Aktionsbündnis Patientensicherheit APS e.V.)
  • Alexandra Höchtl (Asklepios Zentrum für Rehabilitation Bad Abbach)
  • Dr. Nikoloz Gambashidze (Institut für Patientensicherheit am Universitätsklinikum Bonn) und
  • Andrea Hunnius (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation DEGEMED e.V.).

Die Session „Qualitätssicherung und -management“ hat unter anderem ergeben, dass Behandlungsbausteine und der Erfolg einer Reha wesentlich größeren Einfluss auf die Zufriedenheit von Patient:innen haben als eine moderne Ausstattung und Hotelkomfort. Sicherlich werden guter Service und eine saubere Klinik mit gutem Essen von Patient:innen auch goutiert. Die Datenlage von Patientenzufriedenheitsbefragungen sagt aber recht deutlich, dass eine zugewandte und gute Behandlung stärker zur Zufriedenheit beiträgt und Patient:innen die Relevanz dieser Elemente gut unterscheiden können.

Messehalle mit Bankett-Tischen in blauem Licht

In der Nachwuchssession haben Studierende verschiedene Abschlussarbeiten den Expert:innen der Rehabranche präsentiert. Das Team um Immo Fellenzer und Edwin Toepler von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg stellte seine Ergebnisse aus einer kleinen Studie zum Thema „Public Reporting von Qualitätsdaten und Patientenerfahrungen – eine Übersicht und erste Überlegungen zur Systematisierung“ vor.  Verschiedene Public Reporting Portale wurden qualitativ untersucht, indem verschiedene Akteur:innengruppen ihre Erwartungen und Einschätzungen zu den Portalen abgaben. Es wurde ein Vergleich zwischen Transparenzportalen aus dem Krankenhaus- und Rehabereich sowie Gesundheitsportalen durchgeführt. DAS REHAPORTAL belegte den zweiten Platz im Gesamtergebnis. Weitere Vorträge in der Session waren:

  • Eine Netzwerkanalyse des Symptomkomplexes nach Schädelhirntrauma (SHT) – Das Unsichtbare sichtbar machen (Helen Bindels, Michael Schuler, Tobias Ohmann)
  • Akzeptanz einer digitalen Rehabilitationsnachsorge bei Muskel-Skelett-Erkrankungen: Eine Kohortenstudie (Johanna Prehn, Lea Remus, Matthias Bethge)
  • Anwendung und Adhärenz der S2K-Leitlinie für Majoramputationen an der unteren Extremität: Eine qualitative Interviewstudie (Katja Schimsk)

Der Kongress bot nicht nur eine, sondern gleich drei Keynotes, von der das Team des REHAPORTALS leider nur eine besuchen konnte. Prof. Dr. Hans Martin Hasselhorn, Bergische Universität Wuppertal, hat humorvoll und mit provokanten Fragestellungen das Thema beleuchtet, das uns allen immer mal wieder unter den Nägeln brennt: „Wie lange müssen wir noch arbeiten? Und warum eigentlich?“. Die lidA-Studie ist eine von weltweit etwa zehn repräsentativen Kohortenstudien zur Gesundheit und Erwerbsteilhabe von älteren Erwerbstätigen und setzt vor allem finanzielle Situationen, Bildung, Gesundheit, Alter und Motivation in Zusammenhang.

Einer Erwähnung bedarf auch die den Kongress begleitende Abendveranstaltung. Ganz im Sinne der Gesundheit wurde hier für Balance gesorgt: Ein reichhaltiges Buffet und das eine oder andere Glas Wein konnten motiviert durch eine fantastische Salsa-Band stundenlang abgetanzt werden. Tanzen hilft ja bekanntlich immer – ein Hoch auf die Prävention!