Kaufmännischer Leiter und Leiter Produktentwicklung
DAS REHAPORTAL
Viele Pressemitteilungen aus dem Gesundheitswesen klingen eher nach Verwaltung als nach Orientierungshilfe. Ein aktueller Beitrag von kma Online greift dieses Problem auf und berichtet über eine Lesbarkeitsanalyse deutscher Pressemitteilungen. Das Ergebnis fällt deutlich aus: Krankenhäuser schneiden im Branchenvergleich am schlechtesten ab. Genannt wird ein durchschnittlicher Lesbarkeitsindex von 36,4 auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten, während der branchenübergreifende Durchschnitt bei 47,6 liege. Als Ursachen werden unter anderem lange Sätze, Passivkonstruktionen, eine hohe Substantivdichte und Fachjargon beschrieben. Der kma-Artikel „Krankenhäuser kommunizieren am schlechtesten“ ist hier verlinkt: kma-online.de.
Der Befund verweist auf eine strukturelle Herausforderung: Kommunikation im Krankenhaus muss gleichzeitig viele Zielgruppen bedienen. Pressemitteilungen richten sich nicht nur an Patient:innen, sondern ebenso an Medien, Politik, Fachöffentlichkeit, Träger, Aufsicht und Kooperationspartner. Wenn ein Text für alle funktionieren soll, endet er häufig in einer Sprache, die intern präzise ist, für Laien aber wenig zugänglich. Die Studie, auf die sich kma bezieht, misst genau diese Distanz über Verständlichkeitskriterien und kommt zu dem Schluss, dass die Texte häufig zu schwer lesbar sind, um die Öffentlichkeit effektiv zu informieren.
Hinzu kommt der hohe Risiko- und Regulierungsdruck. Kliniken kommunizieren in einem Umfeld, in dem Formulierungen schnell rechtliche, datenschutzrechtliche oder reputationsbezogene Folgen haben können. Das begünstigt absichernde Sprachmuster wie Passiv (“es wurde…”) und Nominalstil (“Durchführung der…”, “Erhöhung der…”). Beides erhöht zwar die formale Vorsicht, senkt aber die Verständlichkeit. Im kma-Beitrag wird zudem betont, dass Informationen über Notfälle oder Symptome nicht klingen dürften wie ein Gesetzbuch und dass Absender und Empfänger im Gesundheitswesen gefährlich weit voneinander entfernt seien.
Ein weiterer Treiber ist die interne Entstehungslogik solcher Texte. Klinikkommunikation entsteht oft in mehreren Abstimmungsrunden zwischen Medizin, Pflege, Verwaltung, Datenschutz, Recht und Geschäftsführung. Jede Schleife fügt Details hinzu, relativiert Aussagen, setzt Einschränkungen und macht Sätze länger. Was am Ende steht, ist häufig ein Kompromisstext, der nach innen abgesichert ist, nach außen aber kaum noch entlang der Leserfrage strukturiert ist: Was ist passiert, was bedeutet es, was muss ich wissen, was ist der nächste Schritt?
Eng damit verbunden ist die Frage, wie professionell Öffentlichkeitsarbeit und Marketing organisatorisch aufgestellt sind. In vielen Häusern ist Kommunikation historisch eher mitlaufend organisiert, mit kleinem Team, begrenzten Ressourcen und begrenztem Mandat, verbindliche Standards durchzusetzen. Ohne klare Befugnisse und Rollen wird verständliches Schreiben selten zur harten Anforderung. Dann fehlt es an konsequentem Redigat, an festen Regeln für Tonalität und Verständlichkeit, an Tests und an einem klaren Qualitätsziel. Das begünstigt genau die Stilmerkmale, die kma als Verständlichkeitsbremsen beschreibt.
Ähnliche Herausforderungen dürften auch in Rehakliniken auftreten: komplexe Inhalte, regulierte Rahmenbedingungen und unterschiedliche Zielgruppen von Patient:innen und Angehörigen bis zu Kostenträgern und Zuweiser:innen. Verständlichkeit wird damit zu einem Faktor für Orientierung und Zugang zur Versorgung.
Der kma-Beitrag macht damit ein Problem sichtbar, das sich vergleichsweise pragmatisch angehen lässt. Kürzere Sätze, aktive Verben, weniger Substantivierungen, erklärt statt abgekürzt, klare Struktur nach Leserfragen und ein professionell verankerter Kommunikationsbereich mit Mandat und Standards würden viele der in der Studie genannten Hürden direkt adressieren.