Studie zeigt Hürden beim Zugang zur medizinischen Rehabilitation 08.09.2026

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Annabelle Neudam (Autor:in)
M. Sc. Health Care Management

Geschäftsführerin

DAS REHAPORTAL

Zuletzt aktualisiert: 08.09.2026 | Lesedauer: ca. 5 Min.

Studie zeigt Hürden beim Zugang zur medizinischen Rehabilitation

Gleiche gesetzliche Voraussetzungen führen nicht automatisch zu gleichen Zugangschancen: Eine aktuelle Studie der Universität Bielefeld weist auf verschiedene Hürden hin, die Menschen auf dem Weg in die medizinische Rehabilitation begegnen. Besonders ausgeprägt können diese bei vorbestehenden Behinderungen, komplexen Beeinträchtigungen oder erhöhtem Unterstützungsbedarf sein.

Die im Bundesgesundheitsblatt veröffentlichte Arbeit vergleicht zwei qualitative Studien zum Zugang zur medizinischen Rehabilitation. Insgesamt wurden 19 Experteninterviews und acht Fokusgruppen mit Beteiligten aus verschiedenen Bereichen des Gesundheits- und Rehabilitationssystems ausgewertet.

Zwei Studien, zwei Perspektiven

Die aktuelle Veröffentlichung führt Ergebnisse aus zwei Forschungsprojekten der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld zusammen. Beide beleuchten den Zugang zur medizinischen Rehabilitation, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.

Die beiden Projekte im Überblick

  • Das Projekt FöBeR („Förderliche Faktoren bei der Beantragung einer medizinischen Rehabilitation“, 2021–2022) untersuchte, welche Bedingungen Menschen mit Rehabilitationsbedarf den Zugang zur medizinischen Reha erleichtern. Dafür wurden 36 Prozessbeteiligte in acht Fokusgruppen und drei Einzelinterviews befragt; darunter Fachleute aus der ambulanten und stationären Versorgung, aus Reha-Einrichtungen, Therapie, Beratung, Selbsthilfe und Forschung.
  • Das Projekt MeReMBe – Medizinische Rehabilitation für Menschen mit einer vorbestehenden Behinderung (2024–2026) richtete den Blick gezielt auf Menschen, die bereits mit einer Behinderung leben und aufgrund einer zusätzlichen Erkrankung, einer Begleiterkrankung oder eines Unfalls eine medizinische Rehabilitation benötigen. Für den aktuellen Vergleich wurden 16 Interviews mit Beteiligten aus Beratung, Versorgung, Rehabilitation und Leistungsträgerschaft ausgewertet.

Durch die gemeinsame Betrachtung der beiden Studien konnten die Forschenden allgemeine Zugangsbarrieren von zusätzlichen Schwierigkeiten unterscheiden, die insbesondere Menschen mit vorbestehenden Behinderungen betreffen können. Die qualitative Untersuchung liefert vertiefte Einblicke in Abläufe und Erfahrungen, erlaubt jedoch keine Aussage darüber, wie häufig die beschriebenen Probleme insgesamt auftreten. Die unmittelbare Perspektive potenzieller Rehabilitand:innen war nicht Bestandteil des hier ausgewerteten Vergleichs.

Angehörige und Hausärzt:innen spielen eine Schlüsselrolle

Nach Einschätzung der befragten Fachleute werden Reha-Anträge häufig durch Angehörige, andere nahestehende Personen oder hausärztliche Praxen angestoßen. Ihre Unterstützung kann entscheidend dafür sein, ob ein Rehabilitationsbedarf erkannt und ein Antrag tatsächlich gestellt wird.

Das gilt besonders für Menschen mit kognitiven oder kommunikativen Beeinträchtigungen sowie für Personen mit einem erhöhten Pflege- und Unterstützungsbedarf. Fehlen im persönlichen Umfeld geeignete Ansprechpartner oder besteht bei den beteiligten Fachkräften Unsicherheit über die Möglichkeiten der Rehabilitation, kann sich der Zugang zusätzlich erschweren.

Bürokratie erschwert die Antragstellung

Sowohl die Verfahren der gesetzlichen Krankenversicherung als auch die der Deutschen Rentenversicherung wurden von den Befragten als komplex und schwer verständlich beschrieben. Fachbegriffe, unklare Zuständigkeiten und standardisierte Formulare können zu unvollständigen oder ungenauen Angaben führen.

Bei Menschen mit vorbestehenden Behinderungen bilden die Formulare komplexe Versorgungsbedarfe und Mehrfachdiagnosen nach Einschätzung der Befragten häufig nicht ausreichend ab. Hinzu kommen mögliche Schwierigkeiten bei der Kommunikation von Symptomen, Zielen und Unterstützungsbedarfen. Auch das Risiko, dass neue gesundheitliche Probleme vorschnell der bestehenden Behinderung zugeschrieben und dadurch übersehen werden, wird in der Studie thematisiert.

Die passende Rehaklinik zu finden, bleibt schwierig

Eine weitere Hürde liegt in der überwiegend indikationsbezogenen Struktur der medizinischen Rehabilitation. Bei komplexen oder mehrfachen Beeinträchtigungen lässt sich der individuelle Rehabilitationsbedarf nicht immer eindeutig einer einzelnen Indikation zuordnen.

Zudem sind Reha-Einrichtungen unterschiedlich auf einen erhöhten pflegerischen Bedarf, Kommunikationsbeeinträchtigungen oder weitere besondere Anforderungen vorbereitet. Eine Klinik muss deshalb nicht nur die primäre Erkrankung behandeln können, sondern auch zu den persönlichen Voraussetzungen der Rehabilitand:innen passen.

Gut informiert: Von der Antragstellung bis zur Klinikwahl

DAS REHAPORTAL bietet Orientierung rund um die medizinische Rehabilitation:

  • Reha-Antrag : Informationen zum Ablauf, zu Voraussetzungen und erforderlichen Unterlagen
  • Wunsch- und Wahlrecht : Was Patient:innen bei der Auswahl ihrer Rehaklinik beachten können
  • REHASUCHE : Rehakliniken nach Fachgebiet, Behandlungsschwerpunkten und Ausstattungsmerkmalen vergleichen

Mehr verständliche Informationen und persönliche Unterstützung

Die Autor:innen sprechen sich für leichter zugängliche Informationen und Beratungsangebote aus. Genannt werden unter anderem verständliche Unterlagen, Informationen in Leichter Sprache sowie eine aktivere Beratung in Arztpraxen. Auch Lots oder Case-Manager könnten dabei helfen, Zuständigkeiten zu klären und den Antragsprozess zu begleiten.

Die Ergebnisse machen zugleich deutlich: Formale Gleichbehandlung allein genügt nicht, wenn Menschen sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Unterstützungsbedarfe mitbringen. Damit medizinische Rehabilitation tatsächlich erreichbar ist, müssen Informationen, Antragsverfahren und Versorgungsangebote diese Unterschiede stärker berücksichtigen.

Die vollständige Originalpublikation im Bundesgesundheitsblatt ist frei zugänglich. Sie ist außerdem im Publikationsverzeichnis der Universität Bielefeld dokumentiert.