Mehr Patientensicherheit: Versicherte können Vorfälle anonym melden 16.02.2026

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Annabelle Neudam (Autor:in)
M. Sc. Health Care Management

Geschäftsführerin

DAS REHAPORTAL

Zuletzt aktualisiert: 20.02.2026 | Lesedauer: ca. 3 Min.

Was tun, wenn etwas schiefläuft - oder gerade noch gut ausgeht?

In der medizinischen Versorgung entstehen Risiken nicht nur durch grobe Fehler. Häufig sind es Missverständnisse, Informationslücken oder organisatorische Abläufe, die zu Beinahe-Schäden oder tatsächlichen Komplikationen führen. 

Patientensicherheit zu erhöhen bedeutet deshalb auch, solche Erfahrungen sichtbar zu machen und aus ihnen zu lernen. Im Gesundheitswesen hat sich deswegen ein System etabliert, das in der Fachsprache CIRS genannt wird. 

CIRS steht für „Critical Incident Reporting System“. Dahinter verbirgt sich ein strukturiertes Meldesystem, mit dem kritische Ereignisse anonym erfasst und ausgewertet werden. Solche Systeme werden in vielen Einrichtungen genutzt, um aus Fehlern und Beinahe-Fehlern zu lernen und Abläufe sicherer zu gestalten. Ziel ist nicht die Suche nach Schuldigen, sondern die systematische Verbesserung von Prozessen.

Hände tippen auf Laptop in anonymes Meldeportal im Gesundheitswesen, Medikamentenblister

Anonyme Meldungen auch durch Versicherte möglich

Ab sofort können alle gesetzlich und privat Versicherte im Rahmen eines Projektes des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek) solche Vorfälle selbst melden. Das Portal heißt Mehr Patientensicherheit und richtet sich ausdrücklich an Patientinnen, Patienten und Angehörige. 

Erfasst werden unter anderem:

  • kritische Ereignisse, Beinahe-Schäden oder besonders positive Erfahrungen
  • Fehler in organisatorischen Abläufe wie Aufnahme, Entlassung oder Kommunikation
  • mögliche Medikationsprobleme oder Dokumentationsfehler
  • der Schweregrad eines entstandenen Schadens

Patient:innen können Meldungen zu unterschiedlichen Versorgungsbereichen machen, etwa zu Krankenhäusern, ambulanten Praxen, Pflegeeinrichtungen oder weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens. Ambulante und stationäre Rehaeinrichtungen sind ausdrücklich ebenfalls vorgesehen.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Berichte werden anonymisiert; personenbezogene Angaben sollen nicht gemacht werden. Wichtig dabei zu wissen: Das Portal ist kein Beschwerde- oder Rechtsverfahren. Individuelle Beratungen oder juristische Schritte sind dort nicht möglich. Ziel ist ausdrücklich das Lernen für das Gesundheitssystem.

Was passiert mit den Meldungen?

Eingereichte Meldungen werden anonymisiert ausgewertet und können - wenn sie typische Risiken oder besonders gelungene Lösungen beschreiben - als sogenannte Fokusfälle veröffentlicht werden. Diese anonymen Fallbeispiele machen typische Risikokonstellationen für Interessierte sichtbar und tragen dazu bei, Erfahrungen systematisch nutzbar zu machen.

Patientensicherheit im REHAPORTAL

Patientensicherheit ist im REHAPORTAL eine eigenständige Qualitätsdimension , die zur Bewertung der Rehakliniken herangezogen wird. Geprüft werden unter anderem:

  • der strukturierte Umgang mit kritischen Ereignissen
  • sichere Prozesse bei der Medikamentenabgabe
  • Hygienemaßnahmen und Infektionsprävention
  • standardisierte Aufklärung von Patient:innen

Ziel ist es, nachvollziehbar zu machen, wie Einrichtungen Risiken vorbeugen und auf kritische Situationen reagieren.