Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert, Gesundheitsdaten in Deutschland deutlich konsequenter für Versorgung, Forschung und Prävention zu nutzen. In einem aktuellen Fokuspapier kritisieren die Autor:innen, dass es bislang an verbindlichen Standards, klaren Anreizen und messbaren Zielen für die digitale Transformation des Gesundheitswesens fehle.
Nach Ansicht der Leopoldina könnten besser verfügbare und verknüpfbare Gesundheitsdaten dazu beitragen, Erkrankungen früher zu erkennen, Behandlungen gezielter auszuwählen und die medizinische Versorgung insgesamt zu verbessern.
Die Wissenschaftsakademie sieht insbesondere in der fragmentierten Datenlandschaft eine Herausforderung. Gesundheitsdaten würden häufig in unterschiedlichen Systemen gespeichert und könnten nur eingeschränkt miteinander verknüpft werden. Dadurch blieben wertvolle Informationen für Versorgung und Forschung ungenutzt.
Die Autor:innen fordern deshalb verbindliche technische Standards, eine bessere Interoperabilität zwischen den Systemen sowie klare Rahmenbedingungen für die sichere Nutzung von Gesundheitsdaten. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, den Datenschutz zu schwächen. Vielmehr müsse ein Ausgleich zwischen Datenschutz und Datennutzung geschaffen werden, um die Potenziale digitaler Anwendungen besser ausschöpfen zu können.
Nach Einschätzung der Leopoldina werden Gesundheitsdaten künftig eine zentrale Rolle für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens spielen. Sie könnten helfen, Präventionsangebote gezielter auszurichten, die Qualität medizinischer Leistungen besser zu bewerten und innovative Versorgungsansätze schneller in die Praxis zu bringen.
Auch auf europäischer Ebene gewinnt das Thema an Bedeutung. Mit dem European Health Data Space (EHDS) sollen künftig gemeinsame Rahmenbedingungen für die Nutzung von Gesundheitsdaten geschaffen werden.
Gesundheitsdaten können dazu beitragen,
Voraussetzung sind sichere technische Standards, Datenschutz und transparente Regeln für die Datennutzung.
Die Leopoldina empfiehlt, die Digitalisierung des Gesundheitswesens stärker an konkreten Versorgungszielen auszurichten. Statt einzelner technischer Lösungen sollten künftig messbare Verbesserungen für Patient:innen und das Gesundheitssystem im Mittelpunkt stehen.
Die Autor:innen sehen in der besseren Nutzung von Gesundheitsdaten eine wichtige Voraussetzung für die Medizin der Zukunft. Entscheidend sei nun, dass politische Rahmenbedingungen und technische Standards schneller umgesetzt werden.