Unter dem Leitthema „Sozialstaat unter Druck – Gesundheitspolitik in Zeiten des Umbruchs“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Rehabilitation, Krankenhauswesen und Gesundheitswirtschaft beim BDPK-Bundeskongress 2026 in Düsseldorf über die Zukunft der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland.
Im Mittelpunkt des ersten Kongresstages stand die Frage, wie sich die medizinische Rehabilitation unter den aktuellen finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen weiterentwickeln kann. In einer Diskussionsrunde zur Zukunft der Rehabilitation in der Deutschen Rentenversicherung (DRV) tauschten sich unter anderem Dr. Hans-Heinrich Aldag (BDPK/Waldklinik Jesteburg), Thomas Keck (DRV Westfalen), Andreas Konrad (DRV Bund), Dr. York Dhein (VITREA Holding) und Lars Vorsthoven (MEDIAN Unternehmensgruppe) über das geplante Vergütungssystem und die aktuellen Herausforderungen der Reha-Einrichtungen aus.
Qualität ist Kern der Reha. Wenn wir das nicht mehr machen, haben wir uns selbst entkernt.
Dabei standen insbesondere die konkrete Ausgestaltung der einrichtungsspezifischen Komponente (ESK), die Rolle bestehender Strukturvorgaben sowie die zukünftige Berücksichtigung von Qualität im Vergütungssystem im Fokus. Mehrfach wurde betont, dass die Einrichtungen verlässliche und praxisnahe Rahmenbedingungen benötigen, um auch künftig qualitativ hochwertige rehabilitative Versorgung anbieten zu können.
Auch die Bedeutung von Qualitätstransparenz und patientenbezogenen Ergebnissen wurde im Zusammenhang mit zukünftigen Steuerungs- und Vergütungsmodellen mehrfach angesprochen. Themen wie Outcome-Messung und qualitätsorientierte Versorgung gewinnen in der Rehabilitation weiter an Bedeutung.
Der zweite Kongresstag weitete den Blick über die Rehabilitation hinaus auf die grundsätzlichen Herausforderungen des Gesundheitswesens. In seinem gesundheitspolitischen Impulsvortrag warnte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann davor, notwendige Versorgungsstrukturen durch rein finanzielle Steuerungsmechanismen zu gefährden. Reformen dürften nicht ausschließlich unter kurzfristigem Kostendruck erfolgen, sondern müssten Versorgungssicherheit, Praxistauglichkeit und die tatsächlichen Bedingungen in den Einrichtungen berücksichtigen.
Auch in den weiteren Diskussionen zu Krankenhausreform, Finanzierung und Bürokratieabbau zeigte sich ein ungewöhnlich direkter Ton. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kostenträgern und Kliniklandschaft beschrieben die aktuelle Situation vielfach als einen Punkt, an dem bestehende Strukturen sichtbar unter Druck geraten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass es bislang zwar eine hohe Gesprächsbereitschaft, aber weiterhin nur wenige konkrete Antworten auf die zentralen Finanzierungs- und Strukturfragen gibt.
Auffällig war dabei über beide Kongresstage hinweg die offene Diskussionskultur auf den Podien. Statt klassischer Positionsstatements entwickelten sich vielerorts direkte Gespräche über reale Zielkonflikte, wirtschaftliche Zwänge und die Grenzen der bestehenden Systeme. Mehrfach entstand der Eindruck, dass die Beteiligten die Perspektiven der jeweils anderen Seite sehr genau kennen und nachvollziehen können, auch wenn die Bewertungen und Lösungsansätze weiterhin auseinandergehen.
Gerade diese Offenheit zog sich durch große Teile des Kongresses. Sowohl auf den Podien als auch in den Gesprächen abseits des offiziellen Programms war spürbar, dass viele Akteure den aktuellen Veränderungsdruck im Gesundheitswesen als außergewöhnlich hoch wahrnehmen. Wiederholt wurde betont, dass tragfähige Lösungen nur gemeinsam entwickelt werden können und die Zeit konfrontativer Einzelinteressen zunehmend an ihre Grenzen stößt.