App für krebskranke Kinder erhält Lohfert-Preis 2026 01.06.2026

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Annabelle Neudam (Autor:in)
M. Sc. Health Care Management

Geschäftsführerin

DAS REHAPORTAL

Zuletzt aktualisiert: 08.06.2026 | Lesedauer: ca. 3 Min.

Die App „ePROtect“ der Medizinischen Universität Innsbruck ist mit dem Lohfert-Preis 2026 ausgezeichnet worden. Das digitale Versorgungskonzept begleitet Kinder und Jugendliche während einer Krebstherapie engmaschig im Alltag und verbindet Familien, Kliniken sowie niedergelassene Kinderärzt in einem gemeinsamen Betreuungssystem.

Im Mittelpunkt steht die tägliche Erfassung von Patient Reported Outcomes (PROs ). Dabei berichten die jungen Patient altersgerecht über ihr Befinden, mögliche Beschwerden und ihre Lebensqualität. Die Angaben werden automatisch ausgewertet. Bei auffälligen Werten wird das Behandlungsteam informiert und kann frühzeitig reagieren.

Mehr Sicherheit zwischen den Klinikterminen

Krebserkrankungen im Kindesalter stellen Familien vor große Herausforderungen. Viele Eltern sind unsicher, wie sie Symptome einschätzen sollen und wann ein Arztbesuch notwendig wird.

Genau hier setzt ePROtect an. Die App ermöglicht eine kontinuierliche Begleitung auch außerhalb der Klinik. Je nach Situation können Ärzt:innen und Pflegekräfte telefonisch beraten, einen Besuch bei der Kinderärztin oder dem Kinderarzt empfehlen oder eine stationäre Aufnahme veranlassen.

Nach Angaben der Projektverantwortlichen profitieren Familien von einer höheren Sicherheit im Alltag. Gleichzeitig können gesundheitliche Veränderungen früher erkannt und unnötige Fahrten in die Klinik vermieden werden.

Prof. Roman Crazzolara von der Universität Innsbruck, Projektleiter ePROtect für krebskranke Kinder
Univ.-Prof. Mag. Dr. Roman Crazzolara, Preisträger des Lohfert-Preises 2026.

Wie Patient Reported Outcomes die Versorgung verbessern

Patient Reported Outcomes erfassen den Gesundheitszustand und die Lebensqualität direkt aus Sicht der Patient. Sie liefern wichtige Informationen darüber, wie Menschen ihre Erkrankung und Behandlung tatsächlich erleben.

Im Projekt ePROtect werden diese Angaben nicht nur dokumentiert, sondern unmittelbar für die Versorgung genutzt. Die tägliche Rückmeldung der Patient:innen ermöglicht eine engmaschige Betreuung zwischen den Behandlungsterminen und unterstützt eine individuelle Therapieplanung.

Das Projekt wurde von der Universitätsklinik für Pädiatrie I und der Universitätsklinik für Psychiatrie II der Medizinischen Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Softwarepartner EvaluationSoftware Development (ESD) entwickelt. Perspektivisch soll ePROtect auch an weiteren kinderonkologischen Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingesetzt werden.

Auszeichnung für innovative Patientenorientierung

Der Lohfert-Preis wird seit 2012 für innovative Projekte zur Verbesserung von Patientenorientierung und Patientensicherheit vergeben. Das Ausschreibungsthema 2026 lautete „Patient Journey neu gedacht – Innovative Lösungen für ein institutionenübergreifendes Patientenmanagement“.

Die unabhängige Fachjury wählte das Projekt ePROtect aus insgesamt 90 Bewerbungen zum diesjährigen Preisträger. Das Preisgeld beträgt 20.000 Euro.

Was sind Patient Reported Outcomes?

Patient Reported Outcomes (PROs) sind Angaben von Patient zu ihrem Gesundheitszustand, ihren Beschwerden oder ihrer Lebensqualität. Die Informationen werden direkt von den Betroffenen erhoben und nicht von medizinischem Personal bewertet.

Werden dafür standardisierte Fragebögen eingesetzt, spricht man von Patient Reported Outcome Measures (PROMs). Sie gewinnen im Gesundheitswesen zunehmend an Bedeutung, weil sie Behandlungsergebnisse aus Sicht der Patient sichtbar machen.