REHADAT-Umfrage: Arbeitssituation von Menschen mit Depressionen 19.10.2026

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Gina-Sophie Labahn (Autor:in)
M.Sc. Public Health and Administration

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
DAS REHAPORTAL

Zuletzt aktualisiert: 19.10.2026 | Lesedauer: ca. 3 Min.

Wie erleben Menschen mit Depressionen ihren Arbeitsalltag und welche Unterstützung benötigen sie, um langfristig am Erwerbsleben teilzuhaben? Diesen Fragen ist REHADAT in einer Online-Befragung nachgegangen. Zwischen Mai und Juli 2026 wurden insgesamt 243 erwerbstätige oder in Ausbildung befindliche Personen mit ärztlich diagnostizierter Depression zu ihren Arbeitsbedingungen, Belastungen und Unterstützungsmöglichkeiten befragt. Die Ergebnisse verdeutlichen insbesondere die Bedeutung flexibler Arbeitsbedingungen, unterstützender Führungskräfte und eines offenen Umgangs mit psychischen Erkrankungen.

Zentrale Ergebnisse der Befragung

Die Auswertung zeigt, dass die berufliche Teilhabe von Menschen mit Depressionen nicht allein durch die Erkrankung selbst, sondern auch durch die Bedingungen am Arbeitsplatz geprägt ist. REHADAT hebt insbesondere folgende Ergebnisse hervor:

  • Arbeiten trotz Beschwerden: 95,9 % der Befragten gaben an, in den vergangenen zwei Jahren trotz depressiver Beschwerden gearbeitet zu haben. Häufige Gründe waren der Wunsch, Kolleg:innen nicht zu belasten, eine hohe Arbeitsmenge und fehlende Vertretungsmöglichkeiten.
  • Flexible Arbeitsbedingungen: Befragte mit flexiblen Arbeitszeiten berichteten eine höhere Arbeitszufriedenheit, mehr arbeitsbezogene Ressourcen und ein geringeres Belastungserleben. Unter den untersuchten Anpassungsmaßnahmen zeigten flexible Arbeitszeiten die stärksten statistischen Zusammenhänge mit diesen Merkmalen.
  • Führungsverhalten und Arbeitszufriedenheit: Das erkrankungsbezogene Ressourcenerleben und das wahrgenommene Führungsverhalten wiesen die stärksten Zusammenhänge mit der Arbeitszufriedenheit auf.
  • Offenlegung der Erkrankung: 54,8 % der Befragten mit einer Führungskraft hatten ihre Depression dieser gegenüber offengelegt. Gegenüber Kolleg:innen lag der entsprechende Anteil bei 58,8 %.
  • Unternehmenskultur und Unterstützung: Die Unternehmenskultur im Umgang mit psychischen Erkrankungen wurde überwiegend kritisch bewertet. Zudem hatten 51,4 % der Befragten kein innerbetriebliches Unterstützungsangebot genutzt.

Verständnis und Wertschätzung im Arbeitsalltag besonders wichtig

Neben den standardisierten Fragen wurden 188 Freitextantworten zu den Unterstützungswünschen der Befragten ausgewertet. In 79,3 Prozent dieser Antworten wurden soziale und kulturelle Aspekte der Unterstützung angesprochen. Besonders häufig wünschten sich die Teilnehmenden ein verständnisvolles und kompetentes Führungsverhalten, Wertschätzung und Rücksichtnahme sowie eine offene und vertrauensvolle Kommunikation.

Auch die Offenlegung der Erkrankung gegenüber Führungskräften spielte eine wichtige Rolle. Befragte, die ihre Depression offengelegt hatten, berichteten im Durchschnitt mehr arbeitsbezogene Ressourcen und bewerteten das Führungsverhalten positiver. Ob die Offenlegung selbst zu diesen Unterschieden beiträgt oder sich Betroffene eher in einem bereits unterstützenden Arbeitsumfeld öffnen, lässt sich anhand der Daten jedoch nicht bestimmen.

Draufsicht auf eine Person, die mit einem Stift in ein Notizbuch schreibt. Daneben stehen ein geöffneter Laptop und eine Kaffeetasse.

Handlungsempfehlungen für die berufliche Teilhabe

Aus den Ergebnissen leitet REHADAT verschiedene Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber, Beratungsstellen und Rehabilitationsträger ab. Dazu gehören insbesondere die Förderung flexibler Arbeitsbedingungen, die Qualifizierung von Führungskräften und ein wertschätzender, möglichst stigmatisierungsfreier Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Darüber hinaus empfiehlt REHADAT, innerbetriebliche Unterstützungsangebote bekannter und leichter zugänglich zu machen. Beschäftigte sollten entsprechende Angebote auch dann nutzen können, wenn sie ihre Erkrankung am Arbeitsplatz nicht offenlegen möchten.

Die Ergebnisse beruhen auf einer freiwilligen, nicht repräsentativen Online-Befragung. Sie liefern damit Einblicke in die Erfahrungen der Teilnehmenden, können jedoch nicht ohne Weiteres auf alle erwerbstätigen Menschen mit Depressionen übertragen werden. Zudem lassen sich aus den beobachteten statistischen Zusammenhängen keine unmittelbaren Aussagen über Ursache und Wirkung ableiten.