Wissenschaftliche Mitarbeiterin
DAS REHAPORTAL
Patientenberichtete Ergebnisse (PROMs) und Erfahrungen (PREMs) gewinnen bei der Bewertung der Gesundheitsversorgung zunehmend an Bedeutung. Doch wie vergleichbar sind die Daten unterschiedlicher Erhebungen? Dieser Frage geht die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einer im Juli 2026 veröffentlichten Analyse nach. Die Ergebnisse zeigen, dass sich internationale Gesundheitserhebungen in ihren Methoden und Zielsetzungen deutlich unterscheiden und direkte Vergleiche daher nur eingeschränkt möglich sind.
Für den Bericht „Comparing patient-reported outcome and experience measures in international health surveys“ untersuchte die OECD fünf internationale Erhebungen, darunter die eigene PaRIS-Initiative (Patient-Reported Indicator Surveys), die patientenberichtete Ergebnisse und Erfahrungen in der Primärversorgung erfasst. Berücksichtigt wurden außerdem der European Health Interview Survey (EHIS), der International Health Policy Survey (IHP), der People's Voice Survey (PVS) und der Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE).
Die Analyse zeigt, dass sich die Erhebungen hinsichtlich ihrer Zielgruppen, Befragungsmethoden und eingesetzten Messinstrumente unterscheiden. Selbst bei inhaltlich ähnlichen Fragen können unterschiedliche Formulierungen und Antwortskalen die Ergebnisse beeinflussen.
Besonders deutlich wird dies bei der selbst eingeschätzten Gesundheit. In Rumänien bewerteten beispielsweise 43 % der befragten Menschen mit chronischen Erkrankungen ihren Gesundheitszustand in der PaRIS-Erhebung positiv, während es in der EHIS-Erhebung lediglich 13 % waren. Auch nach einer Angleichung der untersuchten Bevölkerungsgruppen und einer statistischen Standardisierung blieben erhebliche Unterschiede bestehen.
Die OECD betont deshalb, dass solche Abweichungen nicht unmittelbar als tatsächliche Unterschiede im Gesundheitszustand oder in der Versorgungsqualität interpretiert werden dürfen.
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass die verschiedenen Erhebungen unterschiedliche Erkenntnisse liefern und sich daher eher ergänzen als ersetzen. Während bevölkerungsbezogene Befragungen vor allem Informationen über den allgemeinen Gesundheitszustand liefern, ermöglicht PaRIS eine differenziertere Betrachtung patientenberichteter Ergebnisse und Erfahrungen im Zusammenhang mit der Organisation der Primärversorgung.
Die OECD empfiehlt, bei der Interpretation und Gegenüberstellung patientenberichteter Daten insbesondere die Zielgruppen, Erhebungsmethoden und verwendeten Messinstrumente zu berücksichtigen. Nur wenige Indikatoren konnten zwischen den untersuchten Erhebungen ausreichend harmonisiert werden.
Auch für die Messung der Ergebnisqualität in der medizinischen Rehabilitation sind diese methodischen Fragen relevant. Wenngleich sich die Untersuchung nicht unmittelbar auf die Rehabilitation bezieht, verdeutlicht sie die Bedeutung einheitlicher Erhebungsstandards und einer angemessenen Berücksichtigung unterschiedlicher Patient:innen für aussagekräftige Qualitätsvergleiche.
Die vollständige OECD-Publikation „Comparing patient-reported outcome and experience measures in international health surveys“ ist auf der Website der OECD verfügbar.
Publikation zum Vergleich von PROMs und PREMs