Wissenschaftliche Mitarbeiterin
DAS REHAPORTAL
Dr. phil. Miralem Hadžić ist als Referent im Geschäftsbereich Rehabilitation beim Bundesverband Deutscher Privatkliniken e.V. (BDPK) tätig und vertritt den Verband in verschiedenen Fachgremien zu Rehabilitation, Qualitätssicherung und Digitalisierung im Gesundheitswesen. Als promovierter Rehabilitationswissenschaftler setzt er sich für die Weiterentwicklung von Qualitätsstandards und digitalen Lösungen im Rehabilitationswesen sowie eine evidenzbasierte Weiterentwicklung der Rehabilitation ein.
Dr. Miralem Hadžić: Die Ergebnisqualität nimmt in der gesundheitspolitischen Debatte des BDPK eine zentrale Rolle ein. Aus Sicht des Verbandes sollte die Qualität der Gesundheitsversorgung vor allem an den tatsächlichen Behandlungsergebnissen gemessen werden, also daran, ob sich der Gesundheitszustand verbessert, ob Teilhabe und Erwerbsfähigkeit gesichert werden und wie zufrieden Patient:innen mit der Behandlung sind. Eine objektive und wissenschaftlich fundierte Erhebung der Ergebnisqualität bildet die Grundlage für einen qualitätsorientierten Wettbewerb.
Gleichzeitig wird das Thema Ergebnisqualität häufig von anderen gesundheitspolitischen Themen überlagert, etwa der Krankenhausreform, der langfristigen Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens oder dem zunehmenden Fachkräftemangel. Dabei sollte Ergebnisqualität nicht gesondert betrachtet werden, sondern als ein elementarer Bestandteil der Weiterentwicklung einer leistungsfähigen und patientenorientierten Gesundheitsversorgung.
Dr. Miralem Hadžić: Wir setzen uns dafür ein, dass die Ergebnisqualität in der Rehabilitation künftig stärker berücksichtigt wird als bisher. Der derzeitige Fokus der Qualitätssicherungssysteme in der Reha der beiden Kostenträger liegt fälschlicherweise stark auf den Struktur- und Prozessvorgaben. Diese Vorgaben sind allerdings kein verlässlicher Indikator für Versorgungsqualität. Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung der bestehenden Qualitätssicherungssysteme ist daher eine stärkere Nutzung von patientenberichteten Ergebnismaßen (Patient-Reported Outcome Measures, PROMs). Diese können wichtige Hinweise darauf geben, wie Rehabilitand:innen selbst den Behandlungserfolg wahrnehmen und welche nachhaltigen Effekte die Rehabilitation erzielt. Dadurch wird Qualität sichtbar und nachvollziehbar gemacht und verschwindet nicht nur „in irgendwelchen Schubladen“.
Ziel muss es sein, einen Qualitätswettbewerb zu fördern, der sich stärker an den tatsächlichen Ergebnissen der Versorgung orientiert. Damit können Gesundheitsausgaben stärker mit dem tatsächlichen Nutzen für Rehabilitand:innen verknüpft und sowohl Qualität als auch Effizienz der Versorgung verbessert werden.
Dr. Miralem Hadžić: Grundsätzlich ist es sinnvoll, dass gute Behandlungsergebnisse stärker berücksichtigt werden, auch bei der Vergütung von Rehabilitationsleistungen. Wenn Einrichtungen nachweislich gute Ergebnisse für ihre Rehabilitand:innen erzielen, sollte sich dies perspektivisch auch in der Finanzierung widerspiegeln. Qualitätsorientierte Vergütung kann dazu beitragen, Anreize für eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung zu setzen.
Ansätze in diese Richtung gibt es bereits, etwa bei der qualitätsorientierten Belegungssteuerung der Deutsche Rentenversicherung. Dort fließen Ergebnisse der Qualitätssicherung bereits in die Belegungsentscheidungen ein. Das zeigt, dass Qualitätsdaten grundsätzlich geeignet sind, Steuerungsimpulse im System zu setzen.
Gleichzeitig ist beim Einsatz von Pay-for-Performance-Ansätzen Vorsicht geboten. Ergebnisqualität muss verlässlich und fair gemessen werden. Dazu gehören unter anderem vergleichbare Rahmenbedingungen für Einrichtungen sowie robuste und wissenschaftlich fundierte Indikatoren. Vor diesem Hintergrund sollte das System, die Ergebnisse transparent machen und positive Anreize setzen, ohne Einrichtungen zu benachteiligen, die besonders komplexe oder belastete Patientengruppen behandeln. Dann könnte eine stärkere Orientierung der Vergütung an Ergebnisqualität dazu beitragen, Qualität, Transparenz und Effizienz der Rehabilitation weiter zu stärken und das ist im Sinne aller am Prozess beteiligten.
Dr. Miralem Hadžić: Viele Einrichtungen sind bereit und wünschen sich ausdrücklich, stärker an ihren Behandlungsergebnissen gemessen zu werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass mehr Gestaltungsspielraum entsteht, wie gute Ergebnisse erreicht werden können. Nämlich weniger Fokus auf Strukturqualität wie Personalvorgaben und mehr Fokus auf PROMS, PREMS und Routinedaten. Dafür braucht es standardisierte und einheitliche Messmethoden, die faire Vergleichbarkeit zwischen Einrichtungen ermöglichen. Entscheidend zudem sind praxisnahe und bürokratiearme Lösungen, damit die Erhebung und Auswertung von Qualitätsdaten im Alltag der Einrichtungen umsetzbar bleibt. Die Einrichtungen als auch die Kostenträger erheben bereits viele Routine- und Sozialdaten , die in der Qualitätssicherung etabliert werden sollten.
Die aktuellen QS-Verfahren sind zudem trägerspezifisch aufgebaut und bieten keinen zentralen Zugang zum Vergleich der Einrichtungen. Ein gemeinsames Qualitätssicherungsverfahren mit einem starken Fokus auf Ergebnisqualität, Patientenzufriedenheit und Aktualität der Daten der beiden Kostenträger wäre daher für die Zukunft der Rehabilitation und die Rehabilitand:innen ein Gewinn. Dafür braucht es Umsetzungswillen, dieser fehlt derzeit leider.
Dr. Miralem Hadžić: Gespräche über eine Vereinheitlichung der Qualitätssicherungssysteme gibt es bereits seit vielen Jahren. 2024 wurden die Ergebnisse eines gemeinsamen Projekts von GKV und DRV vorgestellt, das mögliche Ansatzpunkte für eine Annäherung der Verfahren in den Bereichen Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität aufgezeigt hat. Derzeit werden diese Vorschläge intern weiter diskutiert. Ob es in absehbarer Zeit tatsächlich zu einer Vereinheitlichung kommt, darf bezweifelt werden. Daher liegt der Fokus aktuell stärker darauf, die bestehenden Verfahren weiterzuentwickeln und praxisnäher zu gestalten. Dabei wird zunehmend das Potenzial der patientenzentrieten Ergebnisqualität erkannt.
Die DRV entwickelt derzeit ein indikationsübergreifendes online Befragungssystem zur Bewertung des subjektiven Behandlungserfolgs in der Rehabilitation. Zudem ist geplant, künftig auch sozialmedizinische Verlaufsdaten stärker in die Qualitätsbewertung einzubeziehen.
Im Bereich der GKV ist das gemeinsame Ziel, die Datenerhebung für Einrichtungen im Verfahren zu erleichtern, Digitalisierungspotenziale zu nutzen und die Aktualität der Messinstrumente zu überprüfen. Perspektivisch sollen international vergleichbare PROMs eingebunden, langfristig auch Routinedaten stärker berücksichtigt und die Transparenz der Daten erhöht werden.