Digitale Rückenschule zeigt langfristig vergleichbare Ergebnisse 22.07.2026

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Gina-Sophie Labahn (Autor:in)
M.Sc. Public Health and Administration

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
DAS REHAPORTAL

Zuletzt aktualisiert: 22.07.2026 | Lesedauer: ca. 3 Min.

Eine digital unterstützte ambulante Rehabilitation kann bei Patient:innen mit Rückenschmerzen langfristig vergleichbare Ergebnisse erzielen wie eine konventionelle Durchführung. Das zeigt eine aktuelle randomisierte Studie, die im Journal of Rehabilitation Medicine veröffentlicht wurde.

Im Rahmen der Studie absolvierten Erwachsene mit Rückenschmerzen eine dreiwöchige ambulante Rehabilitation. In der Interventionsgruppe wurde die standardisierte Rückenschule digital über eine Anwendung durchgeführt. Die Patient:innen konnten die Schulungs- und Übungsinhalte von zu Hause aus bearbeiten. Die Kontrollgruppe nahm an der Rückenschule wie bisher in Präsenz im Rehazentrum teil. Die übrigen Bestandteile der Rehabilitation, darunter Bewegungstherapie, Physiotherapie und psychosoziale Angebote, fanden in beiden Gruppen weiterhin vor Ort statt. Untersucht wurde somit kein vollständig digitales Rehabilitationsangebot, sondern die Integration eines digitalen Therapiebausteins in die ambulante Präsenz-Reha.

Vergleichbare Schmerzselbstwirksamkeit nach zwölf Monaten

Für die Hauptanalyse wurden 270 Patient:innen berücksichtigt. An der Befragung zwölf Monate nach Abschluss der Rehabilitation nahmen 157 von ihnen teil. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Schmerzselbstwirksamkeit. Sie beschreibt das Vertrauen von Patient:innen in die eigene Fähigkeit, Aktivitäten und Anforderungen des Alltags trotz bestehender Schmerzen bewältigen zu können. Zwölf Monate nach dem Ende der Rehabilitation war die digital unterstützte Variante hinsichtlich der Schmerzselbstwirksamkeit der konventionellen Rückenschule nicht unterlegen. Auch bei weiteren untersuchten Ergebnissen, etwa dem allgemeinen Gesundheitszustand, der psychischen Gesundheit, der Funktions- und Arbeitsfähigkeit sowie der Schmerzbelastung, zeigten sich keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Gruppen.

Ältere Frau sitzt zu Hause auf einer Matte und führt mit Hanteln Übungen vor einem Laptop durch.

Die digitale Anwendung wurde von den Teilnehmenden zudem überwiegend positiv bewertet. Rund 81 Prozent beurteilten sie insgesamt als gut oder sehr gut. Digitale Inhalte können insbesondere den Vorteil bieten, dass Schulungen und Übungen zeitlich flexibler in den Alltag integriert und bei Bedarf wiederholt werden können.

Acht ambulante Rehazentren beteiligt

Die Studie wurde in acht ambulanten Rehazentren der ZAR (Zentren für ambulante Rehabilitation) von Nanz Medico in Berlin, Bielefeld , Frankfurt am Main , Jena , München, Paderborn und Regensburg durchgeführt.  An der Veröffentlichung waren Wissenschaftler:innen der Universität zu Lübeck sowie Vertreter:innen des ZAR Regensburg, der GOREHA GmbH und von Nanz medico beteiligt.

Die Ergebnisse zeigen das Potenzial hybrider Rehabilitationsangebote, bei denen digitale Anwendungen die persönliche Behandlung vor Ort gezielt ergänzen. Sie können dazu beitragen, Therapieangebote flexibler zu gestalten und den Transfer von Übungen und Schulungsinhalten in den häuslichen Alltag zu unterstützen. Gleichzeitig weisen die Forschenden darauf hin, dass künftig genauer untersucht werden sollte, welche Bestandteile einer multimodalen Rehabilitation sich für eine digitale Durchführung eignen und welche Patient:innengruppen besonders von solchen Angeboten profitieren.

Die Studie wurde von der Deutschen Rentenversicherung Bund gefördert.